Einleitung
Was kann man machen, um an die Spitze zu kommen? Wie weit muss man gehen, um die Leiter des Erfolgs schneller zu erklimmen? Für den jungen Bürohengst Junya Mochizuki lautet die Antwort : Mit Präsidenten, Vertretern anderer Firmen etc. Matratzensport betreiben. Doch ist da auch noch Zeit für echte Gefühle? Für Betreiber von Hentaireview-Seiten kann das bedeuten, zwecks Zielgruppenerweiterung einen Yaoi-Film zu schauen. Direkt am Anfang dieses Textes möchte ich anmerken, dass dies mein erster Film des Genres ist und ich wirklich nicht zu der Zielgruppe gehöre, für die Yaoi oder, wie das Genre mittlerweile auch im Westen häufig genannt wird, Boy’s Love gedacht ist.
Die 3-teilige OVA ist 1994 und 95 erschienen und wurde von Triple X produziert, ein Animationsstudio, das ansonsten vor allem für Arbeiten mit Pink Pineapple bekannt ist (einige andere Arbeiten von Triple X wie Akiko oder Wilkommen bei Pia Carrot haben wir bereits früher unter die Lupe genommen). Charakterdesignerin Kazuma Kodaka lässt Fangirl-Herzen höher schlagen, ist sie doch die Zeichnerin von Kizuna, einer weiteren sehr bekannten und beliebten Boy’s Love-Serie. Nach langen Jahren, in denen sie sich nur mit Boy’s Love-Mangas eindecken konnten, können besagte Fangirls dank Pink Lemon nun auch auf ein erweitertes deutsches Anime-Sortiment im Boy’s Love-Genre zurückgreifen. Neben der Veröffentlichung von Level C und Kizuna ist nun auch die „My Sexual Harassment“ (Boku no Sexual Harassment) -Reihe auf 3 DVDs erschienen.
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Von Maiskolben und Management
Junya Mochizuki, ein zu Beginn sehr unsicherer junger Mann, genießt dank seinem Aussehen Bewunderung sowohl von Frauen als auch von Männern. Sein Kollege und Freund Fujita macht keinen Hehl aus seiner Liebe zu Junya, aber auch sein scheinbar kalter Vorgesetzter Honma Kazunori hat aus verschiedensten Gründen Interesse an Junya. Einerseits ist er selber in ihn verliebt, andererseits erkennt er in Junyas Potenzial. Gezielt manipuliert er Junya, damit dieser Vertretern anderer Firmen einen ganz speziellen Service bietet. Junya ist sich über seine Gefühle nicht im Klaren liebt er nun den aufrichtigen Fujita oder, trotz dessen oft kaltherzigen und manipulativen Wesen, seinen Vorgesetzten Honma?
Während sich die Charaktere manchmal sogar während ihrer intimen Kontakte Gedanken über Firmenmanagement und Wirtschaft machen, sind diese Themen dennoch nur Ablenkung vom Eigentlichen. Junya wird von dem ekelhaften, etwas älteren Präsidenten Masataka Sawamura zu SM-Spielchen genötigt, verstärkt Firmenbeziehungen durch Schwimmbad-Spiele mit dem Makler-Genie William „Bill“ Rogers, hat heiße Kontakte mit Honma oder wird von dem jungen Spieleentwickler Joe Nimii vergewaltigt wie sich später rausstellt, ein Plan von Honma, der Junya beim 2. Mal zur Hilfe kommt, eine Kamera zwecks späterer Erpressung von Joe aufstellt und laufen lässt und darauf folgend eine der in der Internet-Szene wohl bekanntesten Szenen einläutet (klick mich, ich bin ein Link zu einem versauten Youtubevideo - Szene entspricht nicht der eigentlichen Animationsqualität). Der Inhalt der Flasche Bourbon sowie der massive Maiskolben gelangen jedenfalls nicht über den konservativen Weg in Joes Körper...
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Die unangenehmen und eher ekligen SM- und Maiskolben-Szenen finden sich vor allem in Folge 2, ab Folge 3 entwickelt sich Junyas Charakter etwas weiter. Dieser durchschaut in Folge nicht nur Honmas Spielchen, sondern kann auch offener mit seinen Gefühlen umgehen. Er ordnet sich Honma aber immer noch unter. Nach der Boy’s Love-Fachterminologie wäre also Honma der „Seme“ (der dominante, starke und oft etwas reifere Partner) und Junya der „Uke“ (der schwache, meist in sexueller Hinsicht unerfahrene und jüngere Partner). In Rückblenden auf Junyas Kindheitszeit wird quasi dessen Charakterentwicklung dargestellt. Junya will sich von den Fesseln, die er selber und sein Umfeld ihm auferlegen, befreien. Sowas in der Art. Schade, das Junyas Charakter sich eigentlich erst ab Folge 3 ein bisschen verändert, als er anfängt, Honmas Tun und Lassen zu hinterfragen und zu durchschauen.
Maiskolbendessert Behold, Gentlemen, Corn!
Die Animationen von My Sexual Harassment sind für Genreverhältnisse noch ganz gut ausgefallen, übersteigen aber nur selten TV-Serien Niveau. Dafür gefallen die detaillierten Hintergründe sowie die schicken und ordentlich gezeichneten Charaktere. Die Sexszenen sind zwar teilweise thematisch heftig, das Geschehen wird aber nie im Detail gezeigt unter der Gürtellinie gibt es außer Männerpopos nix zu sehen. Der Titelsong „Garasou no Tokai“ von Sammy ist in Ordnung, die Musik innerhalb des Anime ist eher langweilig. Dafür ist die Leistung der jp. Tonsprecher wieder überzeugend. Für die dt. Tonspur gilt das selbe, wie bei anderen Pink Lemon-Veröffentlichungen : Die Sprecher klingen zwar nur teilweise motiviert, klingen aber nicht langweilig und haben durchaus auch ein paar gute Momente. 100%ig überzeugen kann die Synchronisation allerdings nicht.
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Die technische Seite der DVD ist, wie schon bei Dragon Pink, gelungen, wenn man das Alter des Filmmaterials bedenkt. Als Extras gibt es auf DVD Vol.2 das unfreiwillig komische Special zur Zubereitung von Maisgerichten (als ob irgendjemand ernsthaft Hunger auf Mais hat nach der Maisszene...). DVD 3 hingegen bietet ein Interview mit Synchronsprecher René Dawn-Claude, welches allerdings eher nach dem Motto „Was könnten wir denn nun noch als Extra bringen?“ aufgesetzt wirkt. Beiden DVDs liegen außerdem noch wie bei Pink Lemon üblich Miniposter bei. Etwas ärgerlich ist die Aufteilung der Serie auf 3 DVDs. Ursprünglich war gedacht, das man Folge 2 von Folge 1 und 3 trennen kann, da diese Folge der größten Gefahr einer möglichen Indizierung ausgesetzt ist (SM und Vergewaltigung als Thema), aber nachdem sich diese Sorge bisher als unbegründet rausgestellt hat, müssen Fans wohl oder übel tief in den Geldbeutel greifen der Preis ist mit knapp 20 Euro pro Episode etwas hoch.
Charaktere
Der junge und etwas naive Junya ist sich seiner Gefühle nicht klar und schläft sich in seiner Firma nach oben, während er von Fujita aufrichtig geliebt und von Honma Kazunori manipuliert wird. Sein attraktives, jugendliches Äußeres bringt ihn viele weibliche und männliche Bewunderer ein.
Junyas Vorgesetzer ist berechnend und kommt sehr kalt rüber, hat aber durchaus Gefühle für Junya, welche er ihm in der 3. Folge offenbart. Allerdings hat er auch dafür seine Gründe... Trinkt gerne Bourbon und hat immer wieder mal Maiskolben dabei..
(im Bild links neben Junya) Junyas Kollege ist ein aufrichtiger Mann und in Junya verliebt. Noch weiß er nichts von Junyas sexuellen Eskapaden...
Der intelligente Ingenieur macht am Massachusetts Institute of Technology Spiele, hat allerdings eine sadistische Ader, was Junya zu spüren bekommt. Trinkt auch gerne Bourbon.
Der blonde Schönling ist Vizepräsident bei der UK Brokerage. Seine einzige wirkliche Rolle ist allerdings, Junyas Sexpartner in Folge 3 zu sein...
Der Präsident ist ein ekliger, alter Mann, der starke sadistische Züge hat und... na ja, er ist halt einfach eklig.
Fazit
Da ich wie geschrieben weder zur Zielgruppe des Genres gehöre, noch besondere Erfahrungen mit ähnlichen Werken habe (außer vielleicht dem Shonen-Ai Manga Zetsuai sowie dem Fantasymanga Yami no Matsuei, der ebenfalls voller homoerotischer Anspielungenen ist, welche aber beide beweitem nicht zum härteren Genre „Boy’s Love“ gezählt werden können) kann ich kein wirklich kompetentes Urteil über die erotische Wirkung des Films abgeben. Insgesamt gibt es außer dem gutherzigen Fujita keinen Charakter, der mir in My Sexual Harassment wirklich sympathisch wäre Junya ist am Anfang sehr naiv und schwer von Begriff, wird aber seinem Seme Honma im Laufe der Serie ähnlicher und eine wirkliche Romantik kommt nicht auf. Lediglich die Gefühlsverwirrung von Junya in Folge 3 macht die Geschichte etwas interessanter. Ansonsten plätschert die Geschichte gemächlich vor sich hin, bietet aber immerhin einen Rahmen für einige Yaoi-Szenen. Und darum geht es ja schlussendlich. Für Fans des Genres ist die Serie womöglich wegen der Charakterdesigns von Kizuna-Schöpferin Kazuma Kodaka interessant.
Die eingestreuten Mais-Bilder sind eine Verarbeitung des Gesehenen, sozusagen Selbsttherapie. Es gibt Dinge, die bekommt man nicht mehr aus dem Kopf, und diese Maisszene gehört dazu... You can't unsee it!
Danke an Pink Lemon für das Bereitstellen des Rezensionsmaterial.
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