.hack//Infection

oder: Videospiele sind ungesund!





Im Jahre 2005 wird das gesamte Internet von einem mysteriösen Computervirus namens "Pluto Kiss" lahmgelegt; nur ein System stellt sich als immun gegen diese Bedrohung raus - Altimit... 2 Jahre später, die Katastrophe ist überstanden und zeitgleich mit der Liberalisierung des Netzes geht das Spiel "The World" online, welches sofort großen Anklang findet. Doch scheinbar verbirgt sich hinter "The World" mehr, als nur ein MMORPG (massive multiplayer oriented Roleplayinggame)....

In der Spieleserie ".hack" wird dem Spieler eine komplette Onlinewelt simuliert, mit allem, was dazu gehört : Ihr könnt auf eurem Desktop Mails empfangen und versenden, Newsletter lesen, im "The World"-Forum abhängen und euch schließlich in das RPG "The World" einloggen. Dort kann man sich in bester Hack n'Slay-Manier austoben, und sich mit anderen Spielern treffen, mit ihnen reden, ID's austauschen und handeln. Doch um das ganze für Solospieler wirklich interessant zu machen, wird einem eine der interessantesten und komplexesten Storys der jüngeren RPG-Vergangenheit präsentiert.




Der Neueinsteiger Kite wird von seinem Freund Orca, einem Highlevelprofi, in die Welt von "The World" eingeführt, doch noch bevor der Spaß losgeht, passiert etwas merkwürdiges - ein ungewöhnliches, unbesiegbares Monster erscheint, welches Orca und Kite außer Gefecht setzt... Als Kite sich ausloggt, muss er feststellen, dass sein Freund Orca im Koma liegt. Kite ist davon überzeugt, dass Orcas Koma mit etwas mit dem Erlebnis in "The World" zu tun hat, und geht wieder zurück ins Spiel. Dort trifft er schließlich auf das Mädchen BlackRose, selber auch blutige Anfängerin (auch wenn sie es zunächst nicht zugibt), und bekommt recht bald von einem mysteriösen kleinen Mädchen namens Aura ein wichtiges, einzigartiges Schlüsselobjekt - ein Armband, das ihm die Fähigkeit zum "hacken" verleiht....


The World


Das Spiel spielt sich wie ein Hack n'Slay Online-RPG, und erinnert in einigen Aspekten an "Phantasy Star Online", ohne dessen Komplexität in Sachen Gameplay zu erreichen. Ihr rüstet euch in der Stadt mit neuen Objekten aus, tauscht Gegenstände mit anderen "Mitspielern" und geht schließlich zum Portal, um ein Schlüsselwort einzugeben. Bei den Schlüsselwörtern handelt es sich um 3 Wörter, die ihr aus einer Liste auswählen könnt, und welche den Gebietslevel, Gegnervorkommen, Welttyp und vieles mehr festlegen; quasi ein unerschöpflicher Zufallsgenerator für neue Maps. Dort metzelt man sich dann mit seinen virtuellen Mitstreitern durch Monsterhorden, sammelt Schätze, rennt durch Dungeons, was man als Rollenspieler halt so für Verpflichtungen hat.

Dabei ist das Kampfsystem wirklich simpel; ihr könnt schlagen, Gegenstände anwenden und Skills benutzen, die euch je nach Rüstung und Waffe zur Verfügung stehen. Dabei gilt wie immer ein System nach dem "Schere-Stein-Papier" Prinzip, also Wasserskills gegen Feuer, Feuerskills gegen Eis etc.. Euren Mitstreitern könnt ihr Befehle geben und Taktiken zuweisen, die KI funktioniert dabei meistens ganz gut - bloß bei Endgegnerkämpfen geht es manchmal in die Hose ("Mensch, Mistral, lauf weg!!! Was stehs du da vor dem Riesenmonster rum, dass dich mit einem Schlag weghaut!?!"). Während "The World" von verschiedenen Charakterklassen, vom Heilmagier über verschiedene Kämpferklassen wie z.B. "Heavy Blade", bevölkert ist, wird euch eure Charakterklasse automatisch vorgegeben : Kite (Namen könnt ihr allerdings slebst wählen) ist ein "Twin Blade", kämpft mit 2 Schwertern gleichzeitig und ist wieselflink. Mit seinem besonderen Armband verfügt er außerdem über die Fähigkeit, Gegner durch "Hacken" zu schwächen und auf diese Art auch bessere Gegenstände und Viruskerne aus ihnen herauszuholen. Viruskerne? Es gibt einige gespeerte Gebiete, in denen etwas merkwürdiges vorgeht... um dorthin zu gelangen, muss man sich durch die Portale hacken, und dazu braucht man die Viruskerne. Einige lustige Minispiele, z.B. die Grunty-Zucht (Gruntys = freakige Schweine ...?) oder die Goblinduelle, sorgen für Abwechslung zu den normalen Dungeonruns.




Technisch hinterlässt ".hack//Infection" einen gespaltenen Eindruck. Einerseits wissen die Charakterdesigns aus der Feder von Sadamoto (u.a. auch "Neon Genesis Evangelion" und "Nadia") zu gefallen, und auch Regie und Drehbuch wurden von namhaften Animespezialisten übernommen (Regie : Kôichi Mashime, z.B. Noir; Drehbuch : Kazunori Itô, z.B. Ghost in the Shell; ). Musik (von Yuki Kajiura, z.B. auch für den Noir-Soundtrack verantwortlich) und Sprachausgabe sind gelungen, nach einmaligen Durchspielen kann man sogar die originale japanische Sprachausgabe laufen lassen - nicht schlecht. Leider ist die Grafik nur Mittelmaß. Während die Charaktere und die Oberwelt noch in Ordnung sind (einige gute Ideen inklusive), sehen die Dungeons sehr trist und monoton aus. Schade, denn in diesen wird man sich über große Teile des Spiel aufhalten. Für viele Leute ein Kritikpunkt : die Kamera. Man muss sie permanent selber ändern, aber daran gewöhnt man sich. Lustig : eine Egoperspektive ist auch anwählbar. Allerdings wird zumindest Teil 4 in der Hinsicht besser sein; Bandai kündigte an, man wolle diesen für ein westliches Release noch mal leicht tunen... immerhin ist das Spiel in Japan bereits 2001 erschienen (bei uns 2004).




Teil 4...? ".hack//Infection" stellt den ersten Teil einer 4-teiligen Serie dar. Daher auch die relativ kurze Spielzeit von 15-20 Stunden. Man kann die Charakterdaten in die Nachfolger übernehmen, so bleiben seltene Gegenstände u.ä. erhalten. Aber nicht nur das; ".hack" ist als Multimediaprodukt gedacht, es gibt bisher 2 AnimeTV-Serien, eine AnimeOVA und den Manga zur 2. AnimeTVSerie. Bevor jetzt jemand ruft : "Pokémon! Digimon! Yugioh!" - die Serien sind durchaus eigenständig und gelungen. Von der OVA gibt es 4 Teile, von der jedem Spiel je eine Folge auf einer normalen DVD beiliegt. In der OVA verfolgt man einen Handlungsstrang von ".hack", der parallel zum Spiel in der echten Welt abspielt. Die TV-Serien spielen jeweils einige Jahre vor und nach dem Geschehen im Spiel. Dabei ergänzen sich die verschiedenen Darstellungsformen, und wenn man bereit ist, komplett in die Welt einzutauchen, erwartet einem zur Belohnung ein interessantes Gesamterlebnis.




".hack" ist ein Spiel, dass vorallem unter Animefans viele Freunde finden dürfte. Technisch leider eher mittelmäßig, bietet das Spiel simple, aber kurzweilige ActionRPGunterhaltung mit einer genialen Story, einer guten Atmosphäre und interessanten Charakteren. Leider ist die Spielzeit pro Teil relativ kurz, dafür gibt es aber noch eine Folge der gut gemachten OVA mit dazu. Probe spielen lohnt sich auf jeden Fall, wer dem Animestil garnichts abgewinnen kann, greift vielleicht doch lieber zu anderen ActionRPGs (z.B. dem neuem "Fallout : Brotherhood of Steel"). Der Versuch, eine Onlinewelt offline zu simulieren, ist sehr interessant, auch wenn man natürlich merkt, dass die anderen Spieler nur Standardantworten von sich geben...


Player: 1 Release: 26.3.04 Firma: Bandai/Atari Version: EU
Grafik : 6/10 (technisch mau, aber verdammt gutes Design. Dungeons sind leider der optische Tiefpunkt)
Sound : 8/10 (gelungene Sprachausgabe, teilweise wirklich gute Musik)
Gameplay : 8/10 (simpel, aber eingängig. KI schwächelt bei großen Kämpfen)
Innovation, Abwechslung : 7/10 (interessantes Gesamtkonzept, packende Story, aber immer nur Dungeons...)
Wiederspielbarkeit : 8/10 (wer "The World" und Hack n'Slay mag, wird sich lange mit dem Titel beschäftigen können)

Gesamt : 8/10 (Animefans freuen sich über cooles Design und Story, Technikfans halten Sicherheitsabstand)


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