
In Japan gehört Dragon Quest zu den wichtigsten Spielereihen überhaupt, in Amerika hat es auch seine Anhänger, in Europa hingegen ist die Serie fast gänzlich unbekannt. Bis auf einen Teil der Pokèmon-artigen Dragon Quest Monsters für den Game Boy Color hat sich bisher kein einziger Teil der traditionellen RPG-Reihe auf den alten Kontinent getraut... Das wird sich mit Dragon Quest VIII Journey of the Cursed King ändern das Spiel wird im April 2006 auch als PAL-Version erscheinen, in diesem Review wird allerdings die bereits im November 2005 erschienene US-Version behandelt (in Japan erschien das Spiel übrigens bereits 2004). Eines vorneweg : Dragon Quest VIII ist eines der besten JapanoRPGs der aktuellen Konsolengeneration...
Journey of the Cursed King
Das Königreich Trodain steht unter einem Fluch Hof und Schloss sind mit Dornenranken übersät und die Menschen in stumme Pflanzen verwandelt. Nur ein Wachmann, der König und die Prinzessin sind noch handlungsfähig... wobei der König in ein kleines grünes Monster und die Prinzessin in ein Pferd verwandelt wurden. Der Übeltäter : Dhoulmagus. Bei der Gelegenheit entriss er Trodain auch noch ein seit Jahrhunderten gehütetes magisches Zepter, dessen Bedeutung mittlerweile niemandem mehr bekannt ist. Das kann nicht angehen, und so machen sich die 3 auf die Verfolgung des Bösewichts. So beginnt eine epische Reise, in deren Verlauf neue Mitstreiter zu der Gruppe stoßen, viele Kämpfe bestritten werden müssen und sich typischerweise rausstellt, dass es noch eine viel größere Bedrohung gibt...
Dragon Quest VIII ist ein klassisches JapanoRPG. Im Gegensatz zu Final Fantasy, welches immer wieder mit neuen Spielsystemen Trendsetter spielt, hat die Dragon Quest-Reihe seit ihrem Bestehen ihr ursprüngliches Spielsystem optimiert, aber nie komplett umgekrempelt. Das bemerkt man gleich zu Beginn der Reise, wenn ein streng rundenbasierter Zufallskampf das wohl bekannteste RPG-Monster Japans auf den Spieler hetzt : A blue slime draws near... Zunächst wählt man alle Kampfaktionen der eigenen Gruppe aus, und dann heißt es zurücklehnen und zuschauen. Die Agilität bestimmt, welche Spielercharaktere oder Monster zuerst zuschlagen, und los geht’s. Nach einem Kampf kassiert man Erfahrungspunkte und wenn man genügend davon hat, steigt man einen Level auf. Beim Levelaufstieg verteilt man Skillpunkte auf die verschiedenen Fähigkeiten. Jeder der insgesamt 4 spielbaren Charaktere hat seine eigenen Fähigkeiten, wie z.B. Schwert, Axt, Zepter und außerdem noch je einen Spezialwert wie z.B. Charisma oder Sexappeal.
Wenn man sich dann in das erste Dorf vorgekämpft hat, geht es auf klassische Art und Weise weiter. Waffen, Rüstungs- und Itemshops, Hotels und Kirchen zum Abspeichern gibt es eigentlich in jeder Stadt im Spiel. Und natürlich stößt man beim Reden mit den Dorfbewohnern auf eines oder mehrere Probleme, die gelöst werden wollen. Das bedeutet meistens, sich in der näheren Umgebung in einem Dungeon bis zum Obermotz durchzukämpfen und diesem zu zeigen, wer hier die Helden sind. Klingt soweit wie die meisten anderen JapanoRPGs auch. Aber es gibt neben dem Oldschool-Grundprinzip genug Features, die Dragon Quest VIII weit aus der breiten Masse der Genrevertreter herausstechen lässt...
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The Dragon Questers
Was wohl als erstes auffällt, wenn man in die Welt von Dragon Quest VIII eintaucht : Alles ist in wunderschönem Celshadinglook gehalten. Direkt danach kommt man zu dem Eindruck : Die Welt von Dragon Quest VIII ist riesig! Verkleinerte und versimpelte Oberweltkarten wie in früheren Vertretern der Serie und auch in den meisten aktuellen JapanoRPGs auch (sofern sie überhaupt noch eine Weltkarte haben) gehören der Vergangenheit an. Ein Spaziergang von einer Stadt in die nächste kann durchaus mal 20-30 Minuten dauern und am Rande gibt es auch einiges zu entdecken, z.B. Schatztruhen und Monster für die Monster Arena. Die Dörfer selbst sind nicht weniger groß und liebevoll gestaltet jedes Dorf hat seinen eigenen Stil und seine eigene Architektur, und es gibt sehr viele Dörfer im Spiel...
Es ist angenehm, wie das Spiel im Verlauf immer wieder kleinere Features hinzufügt, wie z.B. den Alchemietopf. Mit dessen Hilfe kann man durch das Zusammenfügen verschiedener Gegenstände bessere oder auch schlechtere neue Gegenstände erstellen. Nur so kommt man übrigens auch an einige besonders seltene Ausrüstungsgegenstände wie mächtige Allround-Schutzringe oder besonders modische Rüstungen... Ein anderer Zeitvertreib stellt die Monsterarena dar dort kann man spezielle vorher eingefangene Monster gegen andere Teams antreten lassen und dadurch ebenfalls zu Ruhm, Reichtum und mächtigen Gegenständen gelangen (leider hat man auf die Kämpfe außer der Monsterauswahl wenig Einfluß). Es gibt noch ein paar weitere Nebenquests, wie z.B. das Finden möglichst vieler Minimedals oder der Besuch eines Casinos. Im späteren Spielverlauf muss man zum Glück nicht mehr zu Fuß umherwandern, sondern bekommt andere Fortbewegungsmöglichkeiten und Zaubersprüche, die den Heldentrupp direkt an ihr Ziel bringen. Außerdem verändert sich die Welt im Laufe der Zeit wer bereits besuchte Orte am Ende des Spiels erneut aufsucht, kann die ein oder andere Überraschung erleben. Ein Tag-Nacht Rhythmus ist natürlich auch dabei.
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Das Dragon Quest VIII selbst beim 1000sten Zufallskampf nicht langweilig wird, verdankt es dem Charakter- und Monsterdesign von Akira Toriyama. Liebevoll animierte Gegner mit phantasievollen Attacken erwarten den Heldentrupp, stereotype Langweilmonster gibt es so gut wie keine. Auch ist es dem Team um Square-Enix und Factor 5 gelungen, das am Anfang simple und leicht erlernbare Kampfsystem so zu gestalten, dass man erst im Laufe der Zeit mehr Möglichkeiten nutzen kann und die Kämpfe immer komplexer werden den vielen Fähigkeiten und Zaubersprüchen der Truppe und der Gegner sei Dank. Ein besonders wichtiges Feature im späteren Spielverlauf ist der Spannungslevel. Die Charaktere können sich in jeder Runde weiter erzürnen, was dafür sorgt, dass Attacken und Magie erst um den Faktor 5, dann 10,20, 50 oder gar 100 verstärkt werden, je nachdem, wie viele Runden lang man „nur“ die Spannung auflädt.
Neben standardmäßigen Superattacken gibt es auch ausgefallenere Sachen wie z.B. das „Puff Puff“, bei dem die Magierin Jessica die Gegner mit ihrer Oberweite in die Paralyse bezirzt, einem sarkastischen Grinsen von Weiberheld Angelo, welches ein Herabsetzen des Spannungslevels bedeutet oder den von Kleinganove Yangus hervorgerufenen Angriff der alten Männer, was für die Gegner eine schmerzhafte Begegnung mit einem Mob großer, alter, beharrter Männer, angeführt vom König, bedeutet. Auch die Gegner lassen es sich nicht nehmen, in Kämpfen häufig starke Magie einzusetzen, die u.a. die Magie der Helden neutralisiert oder diese in Paralyse, Schlaf, Verwirrung oder Vergiftung versetzt. Dagegen gibt es natürlich zahlreiche Gegenstände und Heilzauber, wer vorher mit dem Alchemietopf herumgespielt hat, kann deren heilende Wirkung sogar noch verstärken. Auf der anderen Seite sorgt es natürlich für Lacher, wenn ein großer böser Troll mit seinem Knüppel zuschlagen will, dabei das Gleichgewicht verliert und auf seinen Allerwertesten fliegt auch die Gegner haben manchmal Pech. Die Kämpfe sind fordernder, als bei der Konkurrenz, einfaches Durchrennen des Spiels (*wie in aktuellen Teilen der Final Fantasy-Reihe*) wird dadurch etwas erschwert. Wer Kämpfen nicht aus dem Weg geht und etwas taktisch denkt sollte dennoch mit dem fairen Schwierigkeitsgrad gut klarkommen.
Cor Blimey!
Bei soviel Lob muss aber auch Tadel erlaubt sein. Das Speichersystem von Dragon Quest VIII ist leider nicht sehr gelungen. Man darf nur in Kirchen abspeichern, Speicherpunkte vor Endgegnern oder anderen wichtigen Events gibt es keine. Ein Dungeon kann manchmal ziemlich lange dauern, und wenn man dann beim Endgegner abkackt, ist man nicht mehr so glücklich. Ebenfalls etwas unverständlich : Die umständliche Inventarverwaltung. Wenn man Objekte von einem Charakter zum anderen geben will oder in die Tasche stecken, muss man etwas sehr viel rumklicken. Verwöhnten Rollenspielern könnte auch sauer aufstoßen, dass zwar jede Stadt ein eigenes Design hat, die Stadtbewohner aber leider meistens nicht. Als allerletztes sei noch die Story angesprochen : Diese wird ähnlich oldschoolig präsentiert, wie das Spiel an sich. Also keine spektakulären CG-Zwischensequenzen, sondern klassische Textfenster, wenn auch teilweise mit Sprachausgabe versehen. Ob einem das gefällt oder stört, ist allerdings Geschmackssache, jedenfalls passt es im Fall von Dragon Quest VIII zum Gesamtbild.
Abgesehen von diesen Kritikpunkten dürfte aber fast jeder RPG-Fan lange Zeit gut unterhalten werden. Der Hauptquest dürfte beim ersten Durchspielen 75-85 Stunden in Anspruch nehmen, danach gibt es noch ein alternatives Ende zu erspielen und einen Zusatzquest, welcher das Spiel auf eine Spielzeit von über 100 Stunden bringen dürfte... Also sagt euren Freunden schon mal für die nächsten Wochen alle Termine ab ;)
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Technisch gibt sich Dragon Quest VIII keine Blöße : Celshading in dieser Qualität gibt nur selten zu bestaunen, es wirkt fast wie ein spielbarer Anime und ist teilweise sogar wesentlich besser animiert, als wöchentlich ausgestrahlte Billigproduktionen aus der Masse. Die riesige Welt wird perfekt in Szene gesetzt, fast schon kilometerweite Fernsicht ohne Nebelschwaden zeigt, dass aus der PS2 noch mehr rauszukitzeln ist, als man vermuten möchte. Wer ein 16:9 Gerät sein Eigen nennt, darf sogar noch einen größeren Bildausschnitt bewundern. Die insgesamt liebevolle Gestaltung des Spiels sorgt dafür, dass man immer wieder mal stehen bleibt und sich einfach in Ruhe die Umgebung anschaut. Nur, wer Celshading und dem stellenweise niedlichen Animelook so gar nichts abgewinnen kann, sollte sich vielleicht lieber ein anderes Spiel aussuchen...
Der Soundtrack ist ebenfalls allererste Sahne - Koichi Sugiyama unterstreicht mit schönen klassischen Melodien das Geschehen nahezu perfekt. Die Musik wurde vom Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra eingespielt und klingt dementsprechend qualitativ sehr gut. Es hätten aber gerne ein paar Melodien mehr sein dürfen. Die japanische Version hatte keine Sprachausgabe, für die US-Version wurde nachträglich eine erstellt. Und zwar eine richtig gute! Die Sprachausgabe wurde in England aufgenommen, was man an dem mal sauberen, mal dialektreichen Englisch merkt. Der Held der Geschichte ist, wie auch Link in der Zeldareihe, stumm und sagt über das Spiel hinweg kein Wort.
Traditionen
Am besten kann man Dragon Quest VIII als fast perfektioniertes 16-Bit RPG mit der Technik eines 128Bit-RPGs bezeichnen. Traditionelle JapanoRPG-Eigenschaften, behutsam optimiert, begeistern über Wochen, ebenso das Design und die Musik. Die wenigen Kritikpunkte wie das Speichersystem verwehren dem Spiel eine „perfect score“, aber für mich ist es auf jeden Fall eines der besten PS2-RPGs.
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| Grafik : 10/10 (großartiges Celshading, das mit liebevollen Design und enormer Fernsicht überzeugt) Sound : 10/10 (klasse Soundtrack, sehr gelungene Sprachausgabe) Gameplay : 9/10 (alle klassischen Elemente eines JapanoRPGs in optimierter Form. Weniger optimiert ist leider das Speichersystem) Innovation, Abwechslung : 8/10 (sehr klassisch, aber viele Sidequests und abwechslungsreiches Design der Städte und Monster) Wiederspielbarkeit : 10/10 (die Gesamtspielzeit von über 100 Stunden und alternativem Ending sorgen für wochenlangen Spielspaß) Gesamt : 9.5/10 (eines der besten PS2 RPGs ist ein Traditionalist was nicht schlecht sein muss... ;)) |
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