Final Fantasy X

oder: Sphären des Spielspaß?





Über die Final Fantasy -Serie muss wohl nicht viel gesagt werden, die Spielereihe gehört zu den beliebtesten und meistverkauften Japano -RPGs überhaupt. Jeder Teil spielt in einer neuen Welt mit neuen Charakteren und oft auch einem neuem Kampf- und Erfahrungspunktesystem. Nur wenige Dinge, wie zum Beispiel die gelben Reittiere Chocobos, oder der Name „Cid“, tauchen immer wieder auf. Traditionell erscheinen 3 vollwertige Teile der Serie auf einer Konsole (Zufall?), 3x NES, 3xSNES, 3xPSone. Der 10. Teil ist der erste Teil der Serie für Sonys 128-Bit Konsole, die PS2.

Nachdem Teil 9 wieder im klassischen Anime-Fantasylook war, entschied sich Squaresoft (übrigens mittlerweile Square-Enix) beim 10. Teil für eine realistischere Grafik, wie in Final Fantasy VIII. Die Story spielt in der Welt „Spira“, die von einem fürchterlichen Wesen namens „Sin“ terrorisiert wird. Der junge Blitzballspieler (Blitzball => so was wie „Unterwasserhandball“) Tidus wird bei einem Angriff von Sin aus der hochtechnisierten Stadt Zanarkand in diese Welt versetzt, und begegnet dort Yuna, einem jungen Medium, und ihrer Leibgarde. Gemeinsam ziehen sie los, um Sin zu besiegen. Tidus hofft, einen Heimweg zu finden, da Sin scheinbar die Verbindung zwischen Tidus Zanarkand und Spira darstellt…




Die Gruppe muss durch das gesamte Land reisen, um an den verschiedenen Tempeln Prüfungen zu bestehen. Natürlich müssen auf dem Weg reichlich Monster geschnetzelt werden. Das Zufallsprinzip entscheidet, wann ein Kampf beginnt. Das Kampfsystem läuft diesmal nicht mehr in Echtzeit ab (Active Time Battle, wie in einigen der Vorgänger), sondern ist rundenbasiert. Man kann während dem Kampf die Charaktere austauschen, um die unterschiedlichen Fähigkeiten besser nutzen zu können. Nur wer aktiv am Kampf beteiligt war erhält Erfahrungspunkte. Allerdings muss man bei dem Levelsystem umdenken – es gibt keine normalen Level mehr! Stattdessen erhaltet ihr für eine bestimmte Anzahl Erfahrungspunkte „Sphäro-Level“. Mit diesen kann man sich auf dem so genannten „Sphärobrett“ fortbewegen. Mit Sphäroiden, die man unterwegs findet, können dort die Werte des jeweiligen Charakters, z.B. Stärke oder Magie, Stück für Stück verbessert werden. Aber auch Fähigkeiten wie Heilen oder spezielle Angriffstechniken können so erlernt werden. Dadurch hat man bei der Charaktererschaffung wesentlich mehr Freiheiten, aber läuft auch Gefahr, sich in eine weniger gute Richtung zu entwickeln. Darum gibt es neben dem freien Profisphärobrett noch eines für Einsteiger, mit zunächst weniger Möglichkeiten, dafür aber auch weniger Gefahr.

Es gibt viele unterschiedliche Monster, einen großen Teil davon hat man aber schon in den Vorgängern gesehen. Wieder mit dabei sind auch unzählige Items, Ausrüstungsgegenstände und Beschwörungen – wobei nur Medium Yuna in der Gruppe zu solchen in der Lage ist. Später dürft ihr euch mit Hilfe der jungen AlBhed –Diebin Rikku sogar selbst Ausrüstung durch Itemverbrauch verbessern. Dadurch kann man sich die Eigenschaften von Waffen und Rüstungen so zusammenstellen, wie man es gerade braucht.




Lässt einem das Spiel in den Bereichen Charakterentwicklung und Items viele Freiheiten, so sieht es im normalen Spielverlauf leider anders aus – Final Fantasy X ist absolut linear. Ihr habt keine Weltkarte mehr, wie in den Vorgängern, sondern wandert automatisch von Stadt zu Stadt. Erst kurz vor Ende erhaltet ihr ein Flugschiff und die Möglichkeit, bereits besuchte Orte wieder zu besuchen und neue Orte zu entdecken. Es gibt einige Minispiele, wie etwa das Chocoboreiten oder Blitzballsessions, die fast ein Spiel im Spiel sind, allerdings etwas zu langsam. Die Story ist trotzdem spannend und voller dramatischer Wendungen – teilweise erreicht sie fast die Qualität von Teil VI und VII.




Technisch ist Final Fantasy X einfach großartig – die Grafik ist selbst jetzt (2004), also 2 Jahre nach der ersten Veröffentlichung, ein absoluter Augenschmaus. Die Gesichter der Charaktere können Emotionen zum Ausdruck bringen, die ehemals vorgerenderten Hintergründe sind spektakulären Echtzeit-3D-Szenarien gewichen. Stilistisch ist das Spiel Oberklasse, von den Charakterdesigns über die detaillierten Hintergründe bis zu den abgedrehten Szenarien – Manchen Leuten könnten aber speziell die Gestaltung der Kostüme und Städte etwas merkwürdig vorkommen.

Musikalisch verwöhnt Nobuo Uematsu erneut die Videospieler. Die Kampfmusik ist wieder mal gelungen, die meisten anderen Melodien sind eher ruhig, aber eingängig. Nur wenige Stücke wirken ein bisschen wirr (z.B. bei den Bossfights). Final Fantasy bietet außerdem, zumindest bei den wichtigen Charakteren, Sprachausgabe, außerhalb Japans leider nur in Englisch (bei DVDs kann man eigentlich 2 Sprachen erwarten…).

Schließlich natürlich die spektakulären Videoseqenzen, die wieder qualitativ ungeschlagen sind (Videosequenzen in solch einer Topqualität findet man sonst höchstens noch bei „Blizzard“ -Games wie Warcraft 3).




Um das Spiel einmal normal durchzuspielen, wird man etwa 40-50 Stunden brauchen. Wer alle Nebenherausforderungen und Geheimnisse lösen möchte, kann allerdings bis zu 100 Stunden dazu zählen. Leider gibt es ein Problem – statt kleine Nebenabenteuer in neuen Dungeons zu erleben, muss man eigentlich nur stundenlang gegen vertraute Feinde kämpfen, Monster züchten (klingt spannender, als es ist) usw. um stärker zu werden. Dann erst kann man gegen die dunklen Bestia antreten, die in der „International Version“(entspricht der EU-Fassung, die erste Japan-Version und die us-Fassung haben keine dunklen Bestia) fast schon lächerlich stark sind. Der einzige Zusatzdungeon neben der Höhle von Jojinbo, die Omega-Ruinen, beherbergen Ultima Weapon und Omega Weapon, traditionell Die Herausforderung in jedem FF-Spiel, diesmal aber im Gegensatz zu anderen Viechern relativ schwach. Um das alles zu machen, braucht man viel Geduld, leider wird man nicht wirklich dafür belohnt. Einziger Ansporn ist also der Ehrgeiz; na dann!

Insgesamt ist Final Fantasy X einer der besseren Teile der Serie, wenn auch nicht ganz perfekt. Technisch genial, aber etwas zu linear.


Player: 1 Release: 24.5.02 Firma: Square-Enix Version: EU
Grafik : 10/10 (auf der PS2 gibt es technisch kaum bessere RPGs; Super!)
Sound : 9/10 (gewohnt gute Musik mit ein paar Ausnahmen, bei der Sprache leider kein Originalton)
Gameplay : 9/10 (Interresantes Sphärobrettsystem, gutes Kampfsystem)
Innovation, Abwechslung : 8/10 (immer noch Zufallskämpfe, lustige Minispiele, gutes Levelsystem)
Wiederspielbarkeit : 7/10 (zu linear, Secrets nur für absolute Freaks interessant)

Gesamt :8.5/10


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