
Es gibt in der Final Fantasy- Reihe die Tradition, dass jeder Teil in sich abgeschlossen ist und der Nachfolger eine komplett neue Geschichte erzählt. Auch wenn sich viele Fans bei einigen Teilen der Serie einen Nachfolger wünschten, sollte erst Final Fantasy X das Spiel der Reihe sein, welches auch tatsächlich einen direkten Nachfolger erhält : Final Fantasy X-2. X-2 bricht aber auch mit anderen Traditionen der Serie, und stellt ein mutiges Experiment mit Square-Enix's wohl bisher erfolgreichsten Serie (mal sehen, wie sich Dragon Quest VIII verkaufen wird...) dar. Doch wie bei jedem Experiment kann nicht alles auf Anhieb gelingen...
Die Story spielt 2 Jahre nach den dramatischen Ereignissen von X, und lässt die Heldinnen Yuna und Rikku zurück auf die Bühne, im wahrsten Sinne des Wortes. Der schweigsame Neuzugang Paine ist hingegen vollkommen neu in der Geschichte. Die 3 bilden das Herzstück des "Möwenpacks", welches sich auf das Suchen und Finden von Sphäros spezialisiert haben. Sphäros sind Bildmitteilungen, und einige davon erzählen uralte Geschichten. Ein Sphäro hat eine Sequenz enthalten, die Yuna sehr interessiert hat: man sah jemanden, der Tidus sehr ähnlich sah.....
Gameplay
Das Spielsystem hat sich seit X komplett verändert. Vorbei sind die Zeiten der langsamen Rundenkämpfe, schnelle Echtzeitkämpfe sind nun angesagt. Man wählt wie gehabt die Aktionen der Heldinnen aus, aber eben unter Zeitrduck - wie im klassischen A(ctive)T(ime)B(attle). Auch das Sphärobrettsystem wurde durch ein eher klassisches Levelsystem ersetzt. Neu sind die verschiedenen Kostüme, wie z.B. Weißmagier, Kämpfer, Dieb, welche den Heldinnen ihre Fähigkeiten verleihen. Die Kostüme werden je nachdem, wie häufig sie eingesetzt werden, ebenfalls besser und stärkere Techniken werden freigeschaltet. Das erinnert leicht an das Jobsystem aus Final Fantasy V und III, aber geht durchaus eigene Wege; so könnt ihr auch im Kampf zwischen den Kostümen wechseln, was durch eine schöne Sequenz begleitet wird. Es gibt insgesamt 14 Kostüme, und noch jeweils ein charakterspezifisches. Dieses System funktioniert hervorragend und gehört zu dem Besten, was man in der Final Fantasy- Reihe bisher zu Gesicht bekam. Leider spielt die Kamera in den Kämpfen nicht so toll mit, nur selten wird das Geschehen aus einem brauchbaren dramatischen Winkel angezeigt. Auch der Schwierigkeitsgrad der meisten Kämpfe ist zu niedrig, weshalb die Möglichkeiten des genialen Systems nicht sonderlich zur Geltung kommen.
Da das Flugschiff in X-2 von Anfang an zur Verfügung steht, kann man jeden Ort auf der Karte sofort besuchen. Die meisten Orte kennt man noch aus X, selbst Monster und Bewohner der Welt haben sich wenig geändert - was nicht heißt, dass alles gleich geblieben ist. So ist z.B. Kilika neu aufgebaut worden und steht exemplarisch für den Wiederaufbau der Fantasywelt. Überhaupt befindet sich Spira im Aufbruch in eine neue Zeit, was durch die zunächst lockere und freundliche Atmosphäre deutlich wird. Dennoch gibt es genug Probleme, und für die Heldinnen viel zu tun. Statt wie in X von einem Storypunkt zum nächsten zu wandern (die Linearität war damals auch einer der größten Kritikpunkte) wählt man nun Missionen aus. Einige davon sind klassische "Dungeonruns", mit Monstermeucheln und Schätze suchen, andere sind Minispiele, wie die Knobelei Sphärobreak oder das amüsante Yuna-"Shoot em'Up". Leider sind nicht alle Minispiele und Missionen so amüsant - einige davon sind absolute Spielspaßbremsen, und trüben den Gesamteindruck gewaltig.
Zwar gibt es immer noch eine Unterteilung in Kapitel, aber das Spiel ist wesentlich offener und lässt auch oft die Wahl zwischen verschiedenen Möglichkeiten, welche auf das spätere Spiel deutliche Auswirkungen haben, wie z.B. die Wahl zwischen Junger Liga und Neu-Yevon. Selbst alternative Endings wurden eingebaut. Wenn das Spiel einmal durchgespielt wurde, kann man den selben Spielstand neu laden, um nochmals zu spielen, denn das Spiel zählt in % mit, wieviel der Spieler tatsächlich gesehen und erledigt hat. 100% sind nur durch mehrmaliges Durchspielen möglich. Wer allerdings alles finden will, hat vorallem mit einem zu kämpfen : Der Langeweile wegen zu einfachem Schwierigkeitsgrad und teilweise öden Minispielen. Zudem hätte Square-Enix dem Spiel durchaus noch ein paar mehr neue Locations hinzufügen können. Die Hauptstory lässt sich in 30 Stunden durchspielen, so das X-2 stellenweise eher wie ein Add-on wirkt. Schade. Immerhin ist die Atmosphäre frisch und spritzig, die 3 Mädels fast immer gut drauf und der Humor kommt auch nicht zu kurz. Im Gegensatz zu anderen, düster-epischen RPGs bietet X-2 fast eine Ürlaubsatmosphäre.
Technik
Man merkt der Technik von X-2, welche auf der Engine des Vorgängers basiert, leider an, dass sie dezent überfordert wird. Die neuen Details an den altbekannten Orten, die stark verbesserte Mimik der Heldinnen, neue Effekte und mehr fordern ihren Tribut : Objekte ploppen ins Bild, oft ewige Ladezeiten nerven in Suchmissionen... dennoch sieht X-2 immer noch besser als die meisten anderen PS2- RPGs aus. Wunderschöne fantastische Szenarien, liebevolles Design und neuerdings auch massiver Sexappeal (meine Güte : Rikku rennt das ganze Spiel im Bikini rum und die schüchterne Yuna hat sich Hotpants angeschafft) entschädigen jedoch dafür und führen das Spiel in neue atmosphärische Dimensionen (ob nun positiv oder negativ ist wohl Geschmackssache). Die klassischen Nobuo Uematsu- Kompositionen wurden durch poppige, aber passende Musik ersetzt (viel J-Pop), die Sprachausgabe wirkt in der englischen Fassung professionell und einen Tick besser, als im Vorgänger.
In der PAL-Anpassung kann immerhin bezüglich der Geschwindigkeit und der Bildverzerrung Entwarnung gegeben werden - Pausbacken-Yuna war einmal. Leider gibt es immer noch unschöne und nervige Balken; warum man bei einem Topseller wie der Final Fantasy-Serie keine vernünftige PAL-Anpassung schaffen kann, bleibt ein Geheimnis. Japanischkundige holen sich sowieso lieber Final Fantasy X-2 International&Last Mission - Die Last Mission ist quasi ein weiteres Spiel, dass die Geschichte nochmals fortführt.
Fazit
X-2 macht dank der lockeren Atmosphäre und dem genialen Level- und Kampfsystem durchaus Spaß - nur leider ist es zu einfach, viele Minipiele sind schlicht unmotivierend und die meisten Locations bereits aus X bekannt. Technisch ist X-2 immer noch sehr schön, aber nicht so perfekt, wie X es seinerzeit war. Wer sich auf das Spiel einlässt, bekommt ein interessantes Experiment vorgeführt, sollte allerdings kein klassisch-episches RPG erwarten. Da die Story an X anknöpft, ist es übrigens ratsam (aber nicht notwendig), den Vorgänger einmal gespielt zu haben.
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| Grafik : 8/10 (stark verbesserte Mimik, schöne Szenarien, leider lange Ladezeiten, Objekte ploppen ins Bild) Sound : 8/10 (interessante J-Pop Mischung. Ungewöhnlich, aber gut und konsequent umgesetzt) Gameplay : 7/10 (das geniale Level- und Kampfsystem kämpft mit dem zu einfachen Schwierigkeitsgrad) Innovation, Abwechslung : 7/10 (recht freies Missionssystem, leider mit einigen weniger launigen Aufträgen...) Wiederspielbarkeit : 6/10 (trotz des alternativen Endes werden wohl nur 100%-Spieler eine 2. Runde einlegen) Gesamt : 7,5/10 |
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