Gunstar Future Heroes






Videospielveteranen erinnern sich mit Freude an Treasures Frühwerk “Gunstar Heroes” für das Sega MegaDrive. Viele sind sogar der Meinung, das 1993 erschienene Gunstar Heroes sei der bis heute beste Platform-Shooter, den es gibt. Viele lange Jahre mussten die Fans warten, ehe ein Nachfolger angekündigt wurde, diesmal für den GBA. Das Sequel „Gunstar Future Heroes“ spielt einige Zeit nach dem Erstling, so etwa 100 Jahre sind vergangen (die Warterei dürfte Fans wohl ebenso lang vorgekommen sein).

Die 3YE ist eine Art Schutzeinrichtung der Erde und hat zum Schutz eben dieser die Gunstar Future Heroes ins Leben gerufen. Das war auch bitter nötig, denn schon im Introlevel wird die 3YE von General Gray und seinen Männern vernichtet und die neuen Gunstar Heroes müssen die Erde vor einer noch unbekannten Macht retten... General Gray und seine Mannen wollen doch tatsächlich den Zerstörer wieder zum Leben erwecken!! Dazu kommen dann die typische Treasureladung an unzähligen Storydetails, verschiedenste Charakteren und viele Verknüpfungen zum alten Gunstar Heroes. Dabei geht es doch vor allem um eines : Ballern, bis der Daumen glüht!


Ballermann


GFH ist ein astreiner Oldschool-Shooter, und dementsprechend gibt es wenig unnötigen Schnickschnack : Man sucht sich einen von 2 spielbaren Charakteren aus, entweder das etwas maskuline Mädel Red oder den cool-arroganten Blue. Nach einer kurzen Introsequenz geht’s auch schon los – von allen Seiten stürmen hirnlose Fußsoldaten auf die Helden zu, und der Daumen dürfte fortan permanent auf dem Feuerknopf bleiben. Es gibt auch noch 3 weitere Waffen zur Wahl, wobei für jeden Charakter eine Exklusivwaffe dabei ist, und glücklicherweise hat man für alle Waffen unendlich Munition. Im Gegensatz zum Vorgänger muss man dafür darauf verzichten, die Waffen zu kombinieren. Immerhin darf man noch Energie für einen Superschuss aufladen, was bei feindlichen Treffern und Abschüssen automatisch passiert.

Rücken die Gegner einem mal zu dicht auf die Pelle, kann man sie auch mit einigen Nahkampfattacken wie z.B. einem Uppercut oder einer Messerattacke ins Nirvana verjagen. Abgesehen davon verhalten sich die meisten Gegner eher wie dumpfsinnige Opfer statt wie würdige Gegner. Nicht selten ist man aber auch gar nicht zu Fuß unterwegs, sondern ballert vom Dach des von Yellow gesteuertem Gunstarfliegers Riesenroboter ab, erledigt Verikalshootersequenzen oder reitet auf einem Roboterinsekt namens Force Mecha. Gunstar-Veteranen freuen sich : Das riesige Live-Würfelspielbrett (würfelt, um in verschiedene Abschnitte zu gelangen) ist auch wieder mit dabei, diesmal im hochmodernem Casino von Black. Auch ansonsten geht es in Gunstar Heroes mächtig futuristisch zur Sache, was sich auch in der Auswahl der Level wiederspiegelt : Das moderne 3YE-HQ, riesige Raumschiffe, aber auch leicht rückständige Planenten muss man von der Gegnerplage befreien. Dabei ist die Anzahl Welten leider ziemlich gering : Gerade mal 7 Level warten aufs Durchspielen. Das ist schade, denn die vorhandenen Level sind ziemlich abwechslungsreich und machen Lust auf mehr. Unverständlicher Weise sind Shooterspezialist Treasure aber gerade die Vertikalshootersequenzen dezent in die Hose gegangen...




Dafür ist ein Punkt so richtig genial gelungen : Die Endgegner. Größere, bombastischere und abwechslungsreichere Bosskämpfe gibt es auf keinem anderen GBA-Modul. Ein riesiger Kampfroboter, der mit eurem eigenem Flieger als Waffe in der Hand nach euch schlägt? Ist vorhanden. Ein abtrünniger Gunstar, der eine Maschine befehligt, die sich hintereinander in 7 spektakuläre Endgegner verwandelt? Jup. Ein Zombiestoffhase, der immer wieder von einem Auto überfahren wird? Natürlich. Endgegner sind en massé vorhanden und auch wenn man zunächst wahrscheinlich im wahrsten Sinne des Wortes geplättet wird, so lässt sich fast jeder Endgegner mit der richtigen Taktik ohne nennenswerten Lebensverlust in seine Einzelteile zerlegen. Das die Steuerung absolut punktgenau reagiert, sorgt für die nötige Kontrolle in den actionreichen Kämpfen.

Es gibt 3 verschiedene Schwierigkeitsstufen, auf jeder Schwierigkeitsstufe und mit jedem Charakter verläuft die Story etwas anders. Daher lohnt es sich, das Spiel mehrmals durchzuspielen. Doch selbst ohne diesen Anreiz sollte man sich bewusst sein, dass es in Gunstar Heroes auf lange Sicht vor allem um das Verbessern der eigenen Leistung und das Knacken des Highscores geht. Wenn man dazu keine Motivation hat, ist das Abenteuer nämlich bereits nach 1-2 Stunden vorbei... wenn man es schafft, denn der Schwierigkeitsgrad auf dem höchsten Level ist nicht von schlechten Eltern, wenn auch nicht so schwer, wie man es von anderen Treasurespielen wie Ikaruga in Erinnerung hat. Wer dieser Art Shooter etwas abgewinnen kann, wird zumindest eine Zeit lang gut unterhalten. Aber die Genialität des Vorgängers erreicht Gunstar Future Heroes leider nicht.



Grafik aus der Zukunft


2D-technisch spielt Gunstar Future Heroes auf dem GBA in der obersten Liga. Butterweiche Animationen, keine Slowdowns, riesige Endgegner, spektakuläre Explosionseffekte – GFH ist eine echte Augenweide. Auch stilistisch weiß das Spiel durchaus zu gefallen, die abgefahrenen Mechadesigns sind detailverliebt und die Hintergründe abwechslungsreich. Die Geräuschkulisse und die Musik sind ebenfalls von ordentlicher Qualität, und eingeworfene Sprachsamples sorgen für zusätzlichen Spaß.


Fazit


Die angesprochenen Mängel (kurze Spielzeit, mittelmäßige Vertikalmissionen) trüben den Gesamteindruck ein wenig, denn abgesehen davon ist Gunstar Future Heroes sehr gelungen. Die riesigen Endbosse machen Spaß, die Grafik ist ein echter Hingucker und die Steuerung ist super. Dem Status einer Legende wie dem Vorgänger wird das GBA Modul aber leider nicht gerecht...


Player: 1 Release: 4.11.05 Firma: Sega/Treasure Version: EU
Grafik 10/10 : (bombastisch : so gute 2D-Optik gibt es auf dem GBA nur selten zu sehen...)
Sound : 8/10 : (ordentliche Umsetzung)
Gameplay : 8/10 : (punktgenaue Steuerung, etwas missratene Vertikalshootersequenzen)
Innovation, Abwechslung 8/10 : (grandiose Endgegner, klassische Shooteraction, leider stupide Gegner in den normalen Level)
Wiederspielbarkeit 6/10 : (Highscorefans frohlocken, allen anderen wird das Spiel viel zu kurz sein)

Gesamt : 8/10 : (nicht ganz der erhoffte Überflieger, aber ein gutes Spiel allemal. Für Fans sowieso Pflicht!)


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