Metal Slug Anthology


Fantastisch! Die Metal Slug Anthology vereint sämtliche Arcade-Titel der Metal Slug-Reihe auf einer Silberscheibe - was kann da noch schief gehen? Metal Slug bedeutet astreine 2D-Balleraction mit liebevollen Design, treibendem Soundtrack, knallhartem Schwierigkeitsgrad und vor allem : Spaß. Selbst Zocker, die mit den Begriffen "SNK" und "Neo Geo" nichts anfangen können, werden schonmal auf irgendeiner Konsole oder an irgendeinem Automaten mit der Kultserie in Kontakt gekommen sein. Ein kurzer Überblick über die auf der Anthology enthaltenen Teile...


Geballte Ladung...


Metal Slug: Super Tank 001 versetzt die beiden Söldner Marco Rossi und Tarma Roving mitten ins Kriegsgetümmel und legte 1996 den Grundstein für eine der bekanntesten und beliebtesten 2D Jump n' Shoot-Serien. Mit vielen verschiedenen Waffen geht es gegen General Morden und seine Armee. Der namensgebende Super Tank 001 ist ebenfalls mit von der Partie und mit den grandios animierten Sprites und Hintergründen sowie dem durchdachten Leveldesign und der griffigen Steuerung wurde Metal Slug zu einem Klassiker.

Metal Slug 2 setzt die Serie konsequent fort, und führt neue Charaktere ein - die schnuckelige Blondine Eri Kasamoto und die knallharte Brillenschlange Fio Germi. Auch neue Slugs stehen parat, neben einem coolen Einsitzer-Flugzeug der unvergessene Camel Slug, ein Kamel mit Maschinengewehren! Im Vorgänger durchzog man Dschungel, zerbombte Dörfer und riesige Geheimstützpunkte, der 2. Teil führt einen in die Wüste, in Pyramiden - wo man auch selber zur Mumie wird, wenn man nicht aufpasst -, fahrende Züge und am Ende kämpft man gegen die wahre Bedrohung. Aliens from Outer Space!
Metal Slug X ist ein verbesserter Remix von Teil 2, mit leicht abgewandeltem Leveldesign, ein paar neuen Gegnern und Waffen und einer besseren Spielbalance.

Einzelreview zu Metal Slug X für die PSone




Metal Slug 3 gilt unter vielen Fans als der beste Teil der Serie - verschiedene Abzweigungen, soviel Abwechslung wie noch nie und noch mehr phantasievolle Monster und Slugs holen alles aus dem Neo Geo raus. Der letzte Level ist vielleicht ein bisschen lang und eintönig geraten, aber ansonsten ist der 3. Teil pures Ballervergnügen. Zombies, Riesenkrabben, riesige Roboter - das Militärthema von Teil 1 ist stark im Hintergrund, die verschiedenen neuen Slugs und die abgedrehten Viecher stehen im Lampenlicht. Auf bewaffneten Elefanten stapft man durch zombieverseuchtes Kampfgebiet, auf einer Insel kämpft man gegen mutierte Seebewohner und am Ende steht eine Reise ins Weltall an. (Randnotiz : Ich mag Metal Slug X lieber...)

Einzelreview zu Metal Slug 3 für die Xbox

Metal Slug 4 stammt nicht von SNK, sondern von Mega Enterprises - SNK war zu diesem Zeitpunkt pleite und nichtexistent, und die Franchises wie King of Fighters oder eben Metal Slug gingen an andere Hersteller. Mega Enterprise macht keine Experimente, Metal Slug 4 ist größtenteils ein Best-of der vorangegangenen Teile. Bis auf die Doppeluzi und ein paar neue Slugs, die den Vergleich zu den Metal Slug 3-Slugs nicht standhalten, gibt es nichts Neues zu vermelden. Eri und Tarma wurden gegen Nadia Cassel und Trevor Spacey eingetauscht, die aber außer anderem Look nichts Neues mit einbringen. Insgesamt war Metal Slug 4 nach den grandiosen Vorgängern eine mittelgroße Entäuschung. Einziges nettes Feature - man wird am Ende der Missionen abgeholt, was irgendwie Sinn macht, aber in späteren Teilen wieder weggelassen wird.




Metal Slug 5 entsteht zwar wieder unter dem Namen SNK (Playmore), wird aber immer noch von Mega Enterprises entwickelt - SNKP hatte wohl noch nicht die nötige Manpower, und SNK vs. Capcom Chaos und King of Fighters 2003 standen auch in den Startlöchern. Es ist aber glücklicherweise einen ganzen Tick besser, als Metal Slug 4 - es wiederholt nicht ständig, sondern bietet ordentlichen neue Inhalte. Die Heldentruppe ist wieder wie in Teil 2, X und 3, und kann neuerdings Sliden. Leider geht das aber nicht sonderlich gut von der Hand und man slidet meistens, wenn man es garnicht will. Diesmal ist der Feind ein geheimnisvoller Kult, mit einer Menge Terroristen im Hintergrund. Das gesamte Spiel fühlt sich leider etwas unfertig an und bietet nicht die Fülle an liebenswürdigen Details, die man noch aus den früheren Teilen der Serie kennt, worunter vor allem die Atmosphäre leidet. Dafür hat Metal Slug 5 einen richtig guten Soundtrack!

Metal Slug 6 ist das erste Spiel seit Metal Slug 3, dass wieder von SNKP selber entwickelt wird - und der erste Teil, welcher nicht mehr auf dem Neo Geo, sondern auf Sega-Sammys Atomiswave zuhause ist. Die Folge ist, wie bei den meisten neuen SNKP-Spielen : Low-Res Sprites auf leblosen High-Res Hintergründen. An dem neuen Look scheiden sich die Geister und im Vergleich zu den frühen Teilen der Reihe sieht Metal Slug 6 bemitleidenswert öde aus. Neu ist dieses Mal, dass alle Charaktere spezifische Eigenschaften haben, z.B. eine stärkere Handgun, mehr Munition oder bessere Granatenhandhabung. Die beiden Neuzugänge Clark Steel und Ralf Jones dürfte SNK-Fans bereits aus Ikari Warriors und King of Fighters bekannt sein - sie halten 2 Treffern stand und haben neue Nahkampftechniken zu bieten. Thematisch geht es zurück zu den Aliens - spielerisch ist Metal Slug 6 schwierigkeitsgradtechnisch unausgegoren und über weite Strecken dezent langweilig und uninspiriert. Aber auch daran scheiden sich die Geister, Metal Slug 6 hat unter Zockern auch einige Fans gefunden.




Ist doch ein Traum... oder?


Abgesehen von den mittelmäßigen neuen Teilen bietet die Anthology einige der besten Arcade-Shooter aller Zeiten. Im 2 Spieler-Modus gewinnt Metal Slug nochmal an Qualität und rockt ohne Ende. Stellt sich erneut die Frage : Was kann da noch schief gehen? Leider mehr, als man denkt. Das Zauberwort lautet "Unsaubere Emulation". Die Folgen sind Ladezeiten zwischen Abschnitten, zu spät einsetzende Musikstücke, Spritefehler und viele andere Kleinigkeiten, die vor allem Kennern negativ auffallen dürften. Hier wurde schlampig gearbeitet. Im Gegensatz zu früheren Ports für Saturn und PSone fehlen die "Combat School" Modi, die für mehr Langzeitmotivation gesorgt haben. Größter Patzer ist eine Auflage von Nintendo : Blinkende Gegner könnten epileptische Anfälle auslösen und mussten entfernt werden. Leider sieht man dadurch nicht mehr, ob man den Boss wirklich an der empfindlichen Stelle trifft. Die Schlamperei nimmt indes kein Ende : Bei einer Handvoll Gegnern hat man das Entfernen des Flimmern vergessen...

Die Wiiversion bietet verschiedenste Steuerungsoptionen, beispielhaft hierbei die Steuerung mit Wiimote, bei der man durch Wackeln Granaten werfen kann, was aber leider ungenau ist. Am Ende ist es die Steuerung über den Gamecube-Controller, die am meisten Sinn macht. Leider wird das Steuerkreuz nicht unterstüzt und man muss mit dem für ein solches Spiel ungeeigneten Analogstick vorlieb nehmen. Dadurch fällt leider auch die Möglichkeit weg, mit einem Arcadestick loszurocken. Der Classiccontroller wird ebenfalls nicht unterstützt. Als Boni gibt es immerhin schöne Artworkgallerien sowie Auszüge aus dem Soundtrack. Man kann außerdem wahlweise mit begrenzten oder unendlich vielen Continues spielen, was Neuneinsteigern wie Profis gerecht wird. Während anspruchsvolle Fans zu anderen Umsetzungen oder sogar den Originalen greifen, dürften Neueinsteiger oder Leute, die Metal Slug nur mal nebenher zocken wollen, dennoch glücklich werden.




Fazit


Fans, die auf eine spielhallengetreue Umsetzung gehofft haben, werden von der etwas lieblosen Anthology entäuscht sein. Hier wurde am falschen Ende gespart, die schlampige Umsetzung wird dem 10-jährigen Jubiläum der Serie nicht gerecht. Wer die Originalfassungen nicht kennt, wird mit der Sammlung dennoch Spaß haben. Immerhin gibt es auf der DVD ein paar der besten 2D-Spiele aller Zeiten!


Player: 1-2 Release: 30.03.07 Firma: SNKP/Ignition Version: PAL
Grafik: 7/10 (grandioses Pixelgrafik, die späteren Teile sind aber etwas lieblos gestaltet)
Sound: 9/10 (passender, treibender Soundtrack)
Gameplay: 7/10 (an den Spielen liegt es nicht, vielmehr an der Steuerung via Wiimote oder Cubecontroller. Unverständlich : keine alternativen Optionen.)
Innovation, Abwechslung: 7/10 (die späteren Teile ziehen das ganze minimal nach unten, aber Spaß macht es immer)
Wiederspielbarkeit : 7/10 (mangels Combat School und dank der Patzer geringer, als eigentlich möglich)

Gesamt : 7/10 (was der Traum aller Metal Slug Fans hätte sein können, ist unterm Schnitt eine lieblose Collection, deren großartigen Spiele unter schlampiger Umsetzung leiden...)


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