Lange mussten sich Fans der Metroid-Serie gedulden - der letzte Teil der Serie, der auf einer Heimkonsole spielbar war, Super Metroid, erschien 1994 auf dem Super Nintendo. Als dann endlich ein Nachfolger angekündigt wurde, waren viele enttäuscht : Nicht Nintendo in Japan, sondern die Retro Studios in Amerika sollten die Entwicklung übernehmen. Ein zweiter Schock war die Ankündigung, dass Metroid Prime aus der Egoperspektive gespielt wird. Umso erfreuter waren die Fans, als das Spiel nach seinem Erscheinen von vielen Spielezeitschriften als das "beste Spiel dieser Generation", "Meilenstein", "unglaublich" usw. usw. beschrieben wurde. Viele verglichen die Bedeutung von MP für den Gamecube mit der von Halo für die Xbox (trotz der eigentlich unterschiedlichen Genres). Doch ist Metroid Prime wirklich so gut, oder war der Hype mal wieder größer?
Das Spiel handelt zwischen den Geschehnissen von Metroid (Zero Mission) und Metroid 2. Die Kopfgeldjägerin Samus Aran erhält einen Notruf von Tallon IV und eilt sofort zur Hilfe, nur um eine Forschungsstation der Space Pirates vor Ort zu finden. Diese ist allerdings nur der Introlevel und dient dazu, das Interface und die verschiedenen Moves von Samus und ihrem HighTechAnzug kennen zu lernen. Die größte Teil des Spiels spielt auf dem Planeten Tallon IV.
Gameplay
Wie gesagt spielt man das Spiel aus der EgoPerspektive. Die meiste Zeit ist Samus Visor auf dem Bildschirm zu sehen, welcher zu verschiedenen Dingen nützlich ist. Neben der Anzeige von Raketenmunition und Lebensenergie kann zunächst zum Scanvisor umgeschaltet werden, mit dem Objekte genau untersucht werden können. Später kommen noch Röntgen- und Wärmestrahlenvisier hinzu, mit denen auch unsichtbare Gegner und versteckte Levelstrukturen entdeckt werden können. Zu Beginn ist man mit dem Standardbeam ausgestattet, später kommen noch weitere Beamvarianten dazu (Elektro, Eis und Hitze). Die Verwandlung in den Morph Ball ist auch möglich, dabei schaltet das Spiel in eine 3rdPersonPerspektive. Der Morph Ball ist eine Art Kugel, mit der man durch bestimmte Öffnungen gelangen kann. Alle Fähigkeiten sind upgradefähig - stärkere Attacken, verschiedene Morph Ball Bomben, neue "Suits" mit denen man unter Wasser genauso beweglich ist, wie an Land, Doppelsprung, Grapple Beam (quasi die Tarzanliane der Zukunft) und vieles mehr.
Auch wenn das Spiel auf den ersten Blick wie ein Egoshooter wirkt, ist es doch eher ein ActionAdventure. Objekte scannen, Schlüssel finden und Gebiete erforschen (und auch oft genug in bereits besuchte Gebiete zurückkehren) sind hierbei der Adventurepart, der Actionpart ist mächtige Gegner wegblasen und knifflige Jump n'Run Sequenzen lösen. Daher entschieden sich die Retro Studios auch gegen die Standardegoshootersteuerung. Stattdessen hat Samus Aran ein Lock-On Feature, welches dem von Zelda ähnelt - einmal aktiviert, dreht sich Samus permanent in die Richtung des anvisierten Objektes (außer man lässt die R-Taste los oder wird Opfer von elektronischen Störungen von Samus Anzug).
Während die Gegner am Anfang noch reines Kanonenfutter in Form von Tallon IVs Flora und Fauna sind, geben die Space Pirates, die Metroids und nicht zuletzt die mächtig beeindruckenden Endgegner schon härtere Gegner ab. Die KI anderer Actionspiele wie z.B. Halo bleibt allerdings unerreicht, alle Gegner haben ein bestimmtes Muster und greifen meist blindlings an. Die Endgegner sind riesig und es braucht schon die richtige Taktik, um sie klein zu kriegen. Jump n'Run- und Geschicklichkeitssequenzen sind zunächst gut spielbar, werden aber mit höherem Schwierigkeitsgrad nervig. Die Egoshooterperspektive ist für so was einfach nicht geeignet, zumal man Samus Beine nicht sieht und deshalb immer abschätzen muss. Die Steuerung ist gerade am Anfang noch leicht gewöhnungsbedürftig und bei Geschicklichkeitssequenzen oftmals leicht überfordert.
Die Welt von Tallon IV bietet viel Abwechslung : ein verregneter Urwald, mystische Ruinen, heiße Feuergrotten, kalte Eistundra, Minen... das gesamte Programm. Die übersichtliche 3D-Automap ist wohl mit die beste Map, die es jemals in einem Adventure gab - und wird auch bitter benötigt, denn fast immer muss man an bereits besuchte Orte zurück, um mit neu erlernten Fähigkeiten doch weiter zu kommen. Das ist sicherlich nicht jedermanns Sache, aber eben auch Geschmackssache. Denn nur, wer gründlich forscht, findet alle Lebensenergie- und Waffenerweiterungen, die später bitter benötigt werden, da der Schwierigkeitsgrad noch mal deutlich anzieht und dank der Steuerung auch mal die ein oder andere unfaire Stelle vorkommt. Abspeichern kann man nur an Speicherpunkten, die allerdings bis auf bei 2-3 Ausnahmen immer fair gesetzt sind.
Die Story wird größtenteils von den Scannereinträgen erzählt, Zwischensequenzen gibt es nur selten und Dialoge... nun, sagen wir, außer Samus Stöhnen bei Treffern und "Grunzen" bei hohen Sprüngen wird ihre Stimme nicht belastet. Wer das Spiel nach etwa 17-20 Stunden das erste Mal durchgespielt hat, bekommt einen 2. Schwierigkeitsgrad freigeschaltet. Desweiteren lassen sich Gallerien freispielen und in Verbindung mit dem Game Boy Advance und Metroid Fusion lässt sich sogar das Ur-Metroid freischalten.
Technik
Die große Stärke des Spiel liegt bei der genialen Atmosphäre. Im Gegensatz zu dem sterilen Leveldesign anderer Actiontitel wirkt Tallon IV mit all seinen Kleinstlebewesen, animierten Objekten und coolen Effekten wie Regen und Rauch (manchmal beschlägt sogar Samus Visor!) richtig lebendig. Lauter kleine Details unterstreichen diesen Eindruck. Die Designs der Maschinen, der Gegner und nicht zuletzt das von Samus selber sind grandios, wie die gesamte Optik des Spiels - auf dem Gamecube rangiert das Spiel optisch direkt neben Star Fox Adventures und Resident Evil 4. Auch Soundtechnisch gibt sich MP keine Blöße : atmosphärischer Sciencefictionsoundtrack und gelungene Dolby-Geräuschkulisse machen das Spiel noch glaubwürdiger.
Fazit
Metroid Prime ist ein gutes Spiel mit hervorragender Atmosphäre, vielen Möglichkeiten und ordentlichem Umfang - das steht außer Frage. Einige Schnitzer wie übertriebene Geschicklichkeitssequenzen mir Egosteuerung, ein paar weniger faire Stellen, schwache Gegner KI und manchmal stupides "Suchen und wieder zurück" Gameplay lassen MP aber wieder etwas zurückfallen. Dennoch sollte jeder Gamecubebesitzer dieses Spiel zumindest mal anspielen, und Metroidfans freuen sich auf eine Fortführung des 2D Gameplays in 3D. Die große Innovation ist es nicht - ähnliche Spielkonzepte gab es bereits bei Klassikern wie “System Shock 2“.
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| Grafik : 10/10 (wunderbare Grafiken mit grandiosem Stil und vielen Details - Spitzenklasse auf dem Gamecube) Sound : 10/10 (atmosphärischer Soundtrack und sehr überzeugende Soundkulisse) Gameplay : 7/10 (etwas gewöhnungsbedürftige Steuerung, ein paar Schnitzer im Gamedesign) Innovation, Abwechslung : 8/10 (altbekanntes Gameplay jetzt in 3D und mit mehr Möglichkeiten) Wiederspielbarkeit : 7/10 (am Ende doch recht linear und mit wenig Secrets und Überraschungen) Gesamt : 8/10 (gutes Actionadventure, dass aber oft leicht überbewertet wurde) |
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