Als 1997 das erste Metal Gear Solid auf der Playstation erschien, waren Spieler und Fachpresse begeistert - auch wenn das Schleichkonzept nicht ganz so neu war, wie es viele Leute dachten (Metal Gear-Spiele gab es bereits in den 80ern auf MSX und NES), so war die filmreife Aufmachung für damalige Verhältnisse spektakulär. Die Story war zudem spannender und komplexer, als so mancher bessere Thriller in Buch- oder Filmform. Einzige Kritik war die Kürze des Spiels.
Als die ersten Bilder von Teil 2 für die Playstation 2 auftauchten, konnte man seinen Augen ob der gezeigten Grafikpracht kaum trauen. Am Ende bot MGS2 spielerisch gute Kost, aber viele Spieler waren mit dem neuem Hauptcharakter und der noch abgedrehteren Story nicht ganz so zufrieden. Doch mittlerweile ist MGS im Schleichgenre nicht mehr allein... Es erschienen eine ganze Menge weitere Schleichspiele, davon ist Splinter Cell das wohl bekannteste und beste - mit vielen neuen Ideen zum Konzept des Schleichens war Splinter Cell spielerisch sogar komplexer als MGS2. Hideo Kojima, Schöpfer der MGS-Reihe, musste also in Teil 3 nicht nur eine cineastische Story erzählen, sondern auch spielerisch neue Aspekte einführen, um die Spieler bei Stange zu halten.
Schon beim Szenario geht Hideo Kojima in MGS3 neue Wege - das Spiel spielt nicht wie die Vorgänger in naher Zukunft, sondern führt den Spieler in der Rolle des ersten “Snake” im Jahre 1964 in die Dschungel der Sowjetunion - viel mehr soll an dieser Stelle zur Story nicht verraten werden. Dschungel... Im wahrsten Sinne des Wortes, ein echter Dschungel mit allem, was dazu gehört : Wilde Tiere, verworrene Pflanzenwelt und kleine Guerillastützpunkte. Ciao, Hightech-Geheimlabore, Hallo Wildnis!
Gameplay
MGS3 bleibt im Grundprinzip den Vorgängern treu. Snake muss Schleichen, lange Codecgespräche mit seinem Team führen und abgedrehte Bosskämpfe überleben. Doch 1964 gab es noch keine Radare, die Snake mitteilen, wo Gegner sind und hinschauen. Somit ist man in MGS3 auf sich und seine Instinkte gestellt. War das ein Geräusch im Gebüsch? Ein wilder Hase oder ein schwerbewaffneter Soldat? Für bessere Übersicht beim Beobachten der Umgebung kann man wie in Teil 2 während dem Stehen (und zum Zielen mit der Waffe) in die Egoperspektive schalten. Die Kamera selber lässt sich nicht beliebig um Snake umher drehen, was Splinter Cell- Verwöhnten etwas gewöhnungsbedürftig vorkommen kann, in den meisten Situationen aber wegen den gut gewählten Kamerawinkeln nicht weiter stört. Minimales Nachjustieren ist zudem erlaubt. Wer genaueres wissen will, kann mit Zusatzgeräten wie Bewegungsmeldern oder Richtmikrofonen die Umgebung abforschen.
Zurück ins Gebüsch. Wie eine Schlange kriecht Snake durch den erdigen Untergrund und hofft darauf, durch das tiefe Gras nicht von den Wachen erwischt zu werden. Mit einer grauen Splitteruniform würde er aber ähnlich auffallen, wie ein schlafendes Nilpferd. Hier kommt der wohl interessanteste neue Schleichaspekt von MGS3 ins Spiel : Tarnung. Im Tarnmenü kann man Uniform und Gesichtsbemalung wechseln. Splitter wäre z.B. eher was für Einsätze in grauen Fabrikanlagen, im Dschungel schleicht es sich mit etwas Grünem wesentlich sicherer. Wird man doch mal entdeckt, sieht es für Snake schon schlechter aus : Einmal alarmiert rufen die Wache Verstärkung und durchsuchen das gesamte Gebiet. Erst nach einer Weile beruhigen sie sich wieder.
Wenn man erst mal nah genug an einen Gegner rangekommen ist, steht man erneut vor vielen Möglichkeiten. Einfach mit der Waffe über den Haufen schießen? Nur vorbeischleichen?
Wer sich für den Aspekt “Waffengewalt” entscheidet, freut sich über eine enorme Auswahl an Schießeisen und Bomben. Neben der Standardbetäubungspistole findet Snake im Laufe des Spiels zahlreiche MGs mit verschiedenen Eigenschaften, Raketenwerfer, Schrotflinten, Scharfschützengewehre, Granaten, Dynamit und vieles mehr. Am Anfang ist Snake jedoch bis auf sein Überlebensmesser und die Betäubungswaffe “nackt”. Mit den Bomben lassen sich Lebensmittelsilos, Waffenlager und Helikopter sprengen, was den Feind natürlich auf Dauer schwächt.
A propos Schwach : Wenn Snake nichts isst, wird er auch schwach, zielt schlechter und verrät seine Position schon mal durch ein Magenknurren. Daher muss man sich der Flora und Fauna des Dschungels bedienen und sich Hasen, Schlangen, Krokodile, Pilze und japanische Instantnudeln fangen oder suchen. Und noch mal schwach : Wenn Snake verletzt ist, muss er richtig behandelt werden. Vorbei sind die Zeiten, in denen man einfach ein Allroundheilmittel verwendet hat. Bei einer Schusswunde muss man z.B. zunächst die Kugel entfernen, desinfizieren, Blutung stillen und Verband anlegen. Das sorgt dafür, dass man als Spieler etwas mehr Acht auf Snakes Körper gibt - denn der Arztkoffer ist natürlich nur begrenzt gefüllt (wobei man immer wieder das Nötigste in Vorratskammern etc. findet). Schlecht sieht es aus, wenn Snake sich erkältet, da hilft dann nur vitaminreiche Ernährung und Hustenmittel.
Das besondere an MGS3 ist, dass man jede Situation auf viele verschiedene Weisen lösen kann. In einer
Zum ersten Durchspielen wird man wohl etwa 15 Stunden benötigen (wenn man sich Zeit nimmt), zusätzlich gibt es noch den “Schlange vs. Affe” Modus. Wer sich an den Klassiker “Ape Escape” erinnert, wird sich über diese Hommage freuen : Als Solid Snake muss man innerhalb verschiedener Level alle Cartoon-Affen betäuben und einfangen. Das ganze präsentiert sich als kurzweilige Highscorejagd ohne tieferen Sinn, aber dafür mit Sinn für Humor. Langweilig wird auch das Hauptspiel nie : Die grandios erzählte Story, die vielen kleinen Details und Anspielungen an die Zeit um 1964 und an andere Teile der MGS-Reihe, die wirklich amüsanten Codecgespräche (z.B. mit ParaMedic, eine Ärztin, die auf ScienceFiction Movies steht und mit Snake über die Essbarkeit der Dschungeltiere redet) und die interessanten Level laden zum Forschen ein. Man sollte aber damit rechnen, dass auch MGS3 starke ScienceFiction Anleihen hat - nicht alles ist realistisch.
Technik
Nicht nur das Gameplay von MGS3 ist auf höchstem Niveau - die Technik steht in nix nach. Grafisch bringt das Spiel die PS2 an ihre Grenzen. Die Dschungelumgebung überzeugt mit äußerst lebendig wirkenden Pflanzen, vielen Details und abwechslungsreichen Terrain.
Die Geräusche des Dschungels kommen authentisch im Dolby-Format daher und überzeugen auf ganzer Linie, genau wie der wirklich geniale Soundtrack von Harry Gregson-Williams, Nobuko Toda, Shuichi Kobori und Rika Muranaka, den man sich auch auf CD anhören würde. Je nach Situation ertönen orchestrale Klänge, an James Bond erinnernde Melodien (das Titellied...) und hektische Aufheizmusik. Die englische Synchronisation klingt gut, die Sprecher sind professionell.
Fazit
Ohne übertreiben zu wollen : Metal Gear Solid 3 ist eines der besten Videospiele der 128Bit-Generation und vielleicht auch eines der besten Spiele der bisherigen Videospielgeschichte. Das super durchdachte Gamedesign, der hohe Wiederspielwert und die geniale Atmosphäre sorgen für wochenlangen Spielspaß. Optik und Sound sind ebenfalls auf höchstem Niveau. Einzig die etwas altmodische Kamera sorgt bei Neueinsteigern oder Splinter Cell - gewöhnten Spielern für geringe Startprobleme. Somit kann ich wirklich jedem Freund anspruchsvoller Action- und Taktikspiele MGS3 wärmstens empfehlen - so gute Unterhaltung ist im Videospielbereich nicht oft anzutreffen...
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| Grafik 10/10 (detaillierte Szenarien, opulente Dschungelumgebung, sehr gute Charaktermodels) Sound 10/10 (genialer Soundtrack, überzeugender Dolby-Surround) Gameplay 9/10 (alles bestens, Steuerung perfekt. Kamera könnte manchmal etwas besser sein) Innovation/Abwechslung 10/10 (viele neue Ideen, jedes Problem lässt sich auf viele verschiedene Arten lösen) Wiederspielbarkeit 9/10 (das Spiel selbst dauert etwa 15 Stunden, doch weitere Schwierigkeitsgrade und die unendlichen Möglichkeiten laden zum 2., 3. Und 4.Durchspielen ein...) Gesamt 9.5/10 (Wer eine PS2 besitzt, sollte sich MGS3 nicht entgehen lassen) |
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