OutRun 2





Wir schreiben das Jahr 1986. Der Sega-Automat „OutRun“ lässt die Herzen der Rennspielfans höher schlagen. Mit einem Ferrari unterm Hintern und einer schicken Blondine auf dem Beifahrersitz heizten Spieler in aller Welt über die verschiedenen Strecken - auf der Route, für die man sich selber entscheiden konnte. Zwar war das Spiel schnell vorbei, aber dank der Abwechslung, der verblüffenden Optik und dem gelungenem Midisoundtrack legte man gerne noch eine Runde ein.

2003 – OutRun 2 erscheint für Segas Arcadeboard Chihiro. Dank der Xbox-ähnlichen Struktur liegt eine Umsetzung nahe, und eine solche folgte auch ein Jahr später... Alte Liebe rostet nicht, gilt das auch für die edlen Ferraris aus Segas Rennstall?


Rote Flitzer


Rennspiele haben seit 1986 enorme Fortschritte gemacht. Doch seien es die unzähligen Tuningmöglichkeiten eines Need for Speed : Underground oder die perfekt ausgearbeiteten Feinheiten und der Umfang eines Gran Tourismo – OutRun 2 ignoriert all jenes einfach und bietet simples, unrealistisches Arcaderacing wie „damals“. Einfach losheizen, am Ende jeder Strecke die nächste Route festlegen, also entweder linke oder rechte Ausfahrt nehmen und nach 5 Strecken und etwa 5-7 Minuten den Champagner am Ziel entgegen nehmen.

Alternativ gibt es noch den „Heart Attack“ Modus. Die Blondine auf eurem Beifahrersitz ist hier nicht mehr nur Zierde, sondern erteilt gezielt Aufgaben, wie z.B. viele Autos knapp überholen, Driften oder ein bestimmtes Tempo erreichen.
Die Steuerung ist simpel, aber eingängig. Gas geben, bremsen, optional selber den Gang schalten und in Kurven Driften ist alles, was man in OutRun 2 braucht.

Es gibt ausschließlich Ferraris. Die verschiedenen Ferraris unterscheiden sich etwas im Handling, z.B. ist der Ferrari F50 sehr ausgeglichen, der Testarossa ziemlich gut in der Beschleuigung, dafür etwas schlechter in der Höchstgeschwindigeit und der Enzo Ferrari wahnsinnig schnell, wenn er denn mal in Fahrt kommt. Aus dieser Einfachheit heraus entsteht aber auch ein gewisser Charme, denn hier kann man wirklich einfach drauf los fahren, und das Geschwindigkeitsgefühl stimmt ebenfalls. Wer will, kann in eine Cockpitperspektive umschalten, was aber zu leichten Übersichtsproblemen beim Driften führt.
Die verschiedenen linearen Strecken führen von Schickimickiurlaubsorten über schöne Wald- und Naturstrecken in die Wüste und in Industriegebiete. Hier ist echt für jeden was dabei.

Das für die Konsolenumsetzung dennoch etwas mehr im Packet sein musste, war den Entwicklern von Sega AM-2 klar. So spendierten sie der Xboxversion einen Challengemodus mit mehr als 101 Aufgaben, die auf verschiedenen Strecken zu erledigen sind. So muss man neben dem Fahren Zahlen zusammenrechnen, Memory spielen, Herzen einsammeln, Geschwindigkeiten halten oder einfach ein Wettrennen gewinnen.

Für jede der 15 Strecken des Spiels gibt es diese Challenges, zudem folgen noch weitere Bonusstrecken aus alten Segaautomaten. Zur Motivationssteigerung erhält man für jede geschaffte Aufgabe eine Sammelkarte, die allerdings nur Einträge aus dem offiziellen Ferarrikatalog und dem Spiel enthalten... wer also schon immer eine virtuelle Sammelkarte des offiziellen Ferrari Teddys wollte – bitte sehr. Wer alle Karten einer Strecke gesammelt hat, schaltet sich Boni wie neue Ferraris, alternative Musikstücke und Spiegelstrecken frei. Das ganze erinnert ein wenig an die Fantasieaufgaben aus Crazy Taxi und ist sehr motivierend.

Zusätzlich gibt es noch einen Live-tauglichen Multiplayermodus, normale Rennen, TimeAttack und das Original OutRun zum freispielen. Der Schwierigkeitsgrad ist meistens sehr ausgeglichen, nur bei den Rennen mit Straßenverkehr spielt oftmals auch das Glück eine große Rolle.
OutRun 2 bleibt seinen Wurzeln treu und spielt sich tatsächlich wie der Vorgänger. Die etwas trashige 80er Atmosphäre tut ihr übriges.


Roter Lack


Optisch ist OutRun2 ordentlich. Superflüssige Framerate, schöne Spiegeleffekte auf den detaillierten Edelkarren und abwechslungsreich designte Strecken stehen auf der Pro-Seite. Leider wirkt die Umgebung oft etwas steril und der Straßenverkehr etwas undetailliert im Vergleich zum eigenen Auto.
Die Musik ist wohl stark Geschmackssache. Es gibt einerseits die modernen Remixes des klassischen OutRun Soundtracks, andererseits die neuen Melodien im gleichen Stil. 80er-Feeling pur. Der eine findet es genial, der andere dreht genervt am Lautstärkeregler.
Der Motorensound klingt relativ überzeugend, auch wenn er meilenweit von realistischen Geräuschen entfernt ist.


Fazit


OutRun 2 sei jedem empfohlen, der das Original geliebt hat, denn OutRun 2 ist tatsächlich ein Transfer des Klassikers in die Neuzeit. Oldschool pur. Und auch all diejenigen, die zwischen dem ganzen Tuningwahn auch mal einfach nur losfahren wollen, können einen Blick riskieren. Wer aber von einem modernen Rennspiel mehr erwartet, sollte wohl auf Segas Ferraris verzichten.


Player: 1-8 Release: 1.10.04 Firma: SEGA Version: EU
Grafik : 8/10 (flüssig, detaillierte Autos und Spiegeleffekte, etwas sterile Umgebungsoptik)
Sound : 8/10 (Geschmackssache. Für Fans dieser Art von Musik aber genial)
Gameplay : 8/10 (Simpel, einfach drauf los. Vielleicht etwas zu simpel, aber passt zum Spiel)
Innovation, Abwechslung : 8/10 (nur Ferraris und 15 Strecken, dafür ein umfangreicher Challengemodus und viele Boni)
Wiederspielbarkeit : 8/10 (dank Highscorejagd, Xbox4live und den Challenges sicher etwas öfters im Xbox-Laufwerk)

Gesamt : 8/10 (Oldschoolracer vom Feinsten, für Fans des Vorgängers und Fans von simplen Rennspielen)


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