
Wusstet Ihr bereits, dass jeder Tag 25 Stunden hat? Jeden Abend um 12 Uhr beginnt die mysteriöse Dark Hour - diese 25. Stunde bekommt niemand mit, abgesehen von den dämonenhaften Shadows und einer kleinen Anzahl Menschen, die das "Potenzial" haben... alle anderen Menschen sind während dieser Zeit in ein Objekt, dass einem Sarg ähnelt, verwandelt.
Bis vor kurzem wusste auch der elternlose Hauptcharakter von Persona 3 nichts von der Dark Hour, doch das ändert sich, als er an die Gekkoukan High School in Port Island wechselt. Er kann diese Dark Hour wahrnehmen, und noch mehr : In ihm erwacht die Kraft, Persona zu beschwören, Manifestationen von tief in seinem Unterbewusstsein versteckten Gedanken und Gefühlen, eine Art 2. Seele. Nur mit diesen hat er eine Chance, gegen die gefährlichen Shadows kämpfen zu können, welche sich von dem Bewusstsein ihrer Opfer ernähren. Zufällig oder auch nicht zieht er in ein Studentenwohnheim, in dem ausschließlich andere Schüler mit dem "Potenzial" wohnen - und wird schon bald in deren Specialized Extracumicular Execution Squad (kurz SEES) aufgenommen. In dem Team ist die hübsche und muntere Yukari, der Klassenclown Junpei, der ehrgeizige Akihiko sowie die einflussreiche und intelligente Mitsuru. Mit diesen kämpft er gegen die Shadows und erkundet den Turm Tartarus, welcher nur in der Dark Hour und ausgerechnet auf dem Schulcampus erscheint. Doch die Bedrohung wird immer größer, mehr und mehr Menschen werden Opfer der Shadows, was zu kompletten Bewusstseinsverlust führt und von Unwissenden als "Apathy Syndrome" wahrgenommen wird.
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In der Dark Hour besteht die Möglichkeit, den Turm Tartarus zu erforschen. Dieser besteht aus zufallsgenerierten Dungeons, in denen man Shadows bekämpft und Schätze einsackt. Während seine Teamkollegen nur über je ein Persona verfügen, kann der Hauptcharakter verschiedenste Persona mit unterschiedlichen Attributen verwenden. Diese kann er entweder in Tartarus finden oder im Velvet Room, den nur er sehen und betreten kann, erstellen, indem er 2 oder mehr Persona miteinander mischt. Diese Möglichkeit bringt mächtigere Persona hervor, außerdem macht das Rumexperimentieren jede Menge Spaß. Nebenbei erhält man im Velvet Room kleine Quests, die man in Tartarus oder in der "echten Welt" lösen kann. Die Shadows sind direkt auf der Karte sichtbar, weshalb man ihnen im Notfall auch aus dem Weg gehen kann, oder, wenn man zuerst zuschlägt, einen Kampfvorteil erhaschen kann.
In den Kämpfen steuert man nur den Hauptcharakter selber, die Mitstreiter sind K.I.-gesteuert - man kann aber Taktiken vorgeben, z.B. "setze Heilmittel ein!" oder "Greif nur an!". Die Standard-K.I. leistet jedoch auch schon ordentliche Dienste - Glück gehabt, dieses Feature hätte sich schnell als herber Nachteil rausstellen können. Der Hauptcharakter kann sogar im Kampf jederzeit zwischen den Persona, die er mit sich trägt, wechseln, wodurch sich jeweils seine Resistenzen und Schwächen sowie seine Magiefähigkeiten ändern. Bestimmte Persona lassen sich außerdem im Kampf hintereinander einsetzen, wodurch besonders mächtige Attacken möglich werden. Etwas befremdlich ist die Tatsache, dass sich die Teenager zum Beschwören der Persona zunächst in den Kopf schießen müssen. Es gibt zusätzlich zu den Persona auch noch normale Waffen (Schwerter, Pfeil und Bogen...) und Ausrüstung, deren Einsatz manchmal ebenfalls erforderlich sein kann. In den Dungeons besteht die Möglichkeit, die Gruppe aufzusplitten, wobei man den Teammitgliedern verschiedene Befehle wie "Finde den nächsten Ausgang" oder "Sammle Schätze ein" geben kann. Etwas umständlich ist das Handling der Teamausrüstung ausgefallen - um die Ausrüstung seiner Teammitglieder zu ändern, muss man diese einzeln ansprechen.
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Nicht schon wieder Schule...
Über den Tag hinweg ist Schule angesagt, wobei man die Möglichkeit bekommt, sich mit Mitschülern anzufreunden, Clubs beizutreten oder in der Freizeit die Möglichkeiten der Stadt zu nutzen. Abhängig davon, was man in seiner Zeit macht, lernt man verschiedene Leute kennen und verbessert die verschiedenen Statuswerte Academics, Charm und Courage, welche je nach Höhe wieder neue Möglichkeiten eröffnen und unabhängig von dem normalem Aufleveln durch Erfahrungspunkte sind. So ist es z.B. nur mit hohem Charm möglich, sich an Teamkollegin Yukari ranzuschmeißen und nur bei hohen Academics laufen die Zwischenprüfungen an der Schule so richtig gut. Abends in der Karaokebar rumzuhängen erhöht die Courage, wenn man hingegen daheim büffelt, gehen die Academics-Werte hoch.
Die besonders wichtigen sozialen Kontakte speisen die verschiedenen Persona-Arten des Hauptcharakter via Social Links mit mehr Kraft, je nach dem, wie weit die Freundschaft oder gar die Liebe geht. Jede Person, die man im Spiel kennen lernen kann, speist eine andere Personagattung mit Kraft, also lohnt es sich, möglichst viele Freunde zu haben. Allerdings kann man es sich mit anderen Personen auch leicht verzetteln, innerhalb der Gespräche muss man oft eine von mehreren möglichen Antworten auswählen, und nicht immer gefällt den Freunden die eigene Meinung. Das sorgt zwar nicht für eine komplette Freundschaftskündigung, allerdings wächst der Social Link dann langsamer. Im Laufe der Zeit muss man Schulprüfungen ablegen, seine Ferien überleben und einmal im Monat, bei Vollmond, kommt ein besonders mächtiger Shadow zum Vorschein und bringt dabei zudem die Story wieder vorwärts. Es gibt also genug Specialevents, um ein zu häufiges Aufkommen reiner Routine (Schule-Freizeit-Dark Hour-Schule-Freizeit-Dark Hour) zu verhindern. Dennoch kommt es manchmal vor, dass sich die Tage etwas hinziehen - gerade, wenn man in Tartarus wieder an eine Blockade stößt, die sich erst beim nächsten Vollmond löst oder wenn beziehungstechnisch Unklarheit herrscht, mit wem es denn jetzt mal weiter gehen könnte und wie.
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Abgesehen von diesen Kritikpunkten spielt sich Persona 3 allerdings ausgezeichnet. Der Schwierigkeitsgrad ist etwas höher, als bei anderen Japano-RPGs, und taktisches Vorgehen ist Pflicht . Einfach nur immer "Attack" auswählen, bringt nicht Sieg, sondern Tod. Die richtige Balance zwischen abendlichen Kämpfen in Tartarus und Schule/Privatleben ist ein interessantes Element und dank der langen Spielzeit fühlt man sich irgendwann mittendrin in der virtuellen Welt. Ein echtes Rollenspiel. Natürlich steigert sich die Story später nochmal, und neue Charaktere kommen hinzu, es gibt Verrat, dunkle Geheimnisse und Selbstzweifel - und dank der umfassenden und interessanten Spielwelt sowie den interessanten Charakteren mit viel Hintergrund setzt sich ein positives "nur noch einen weiteren Tag... und noch einen... und noch einen..." Suchtgefühl ein.
Funky Okkultismus
Technisch ist Persona 3 kein Schwergewicht, macht das aber durch einen sehr coolen Stil mehr als wett. Die bereits erwähnten Monsterdesigns sind großartig und die Detailliebe, mit der die Stadt sowie die verschiedenen Charaktere designt und ausgestattet sind, begeistert. Nur die zufallsgenerierten Etagen im Turm Tartarus wirken etwas eintönig. Zwischendrin gibt es an einigen Schlüsselszenen gut gemachte Animesequenzen, und ähnlich wie in Visual Novels sieht man bei wichtigen Charakteren immer ein großes Bild des Charakters über dem Textfenster, an dem sich Emotionen gut ablesen lassen. Der Soundtrack ist Geschmackssache - eine Mischung aus Hiphop, Pop und elektronischer Musik verwöhnt oder verstört die Ohren. Zwischendrin gibt es dann auch ein paar klassischere Tracks, wie z.B. einen schaurig-schönen Remix der bereits aus dem Vorgänger bekannten Velvet Room-Melodie. Mir hat die Musik hervorragend gefallen und sie hebt sich positiv von den immer-gleichen Soundtracks anderer RPGs ab. Die Sprachausgabe ist zwar englisch, aber die englischen Sprecher wissen durchaus zu überzeugen und mindern die Atmosphäre nicht.
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Das Spiel nimmt nur selten Bezug auf seine Vorgänger, aber Fans von den anderen Persona-Teilen freuen sich auf ein Wiedersehen mit Igor im Velvet Room sowie kleinen Anspielungen auf andere Charaktere und Geschehnisse (es besteht z.B. die Möglichkeit, ein OnlineRPG namens "Innocent Sin" zu spielen, einer der beiden Persona 2-Teile trug eben diesen Namen, außerdem kann man manchmal im Fernsehen oder in Gesprächen kleine Details erhaschen). Persona 3 ist in Amerika über Atlus erschienen und kommt in einer schicken Box mit einem kleinen, schön gemachten Hardcover-Artbook sowie einer Soundtrack-CD daher. Ob für die PAL-Fassung, die für den 29. Februar 2008 bei Koei angekündigt ist, ein ähnlicher Aufwand betrieben wird, ist eher zweifelhaft. Dafür gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass die bisher nur in Japan erschienene Erweiterung Persona 3 : FES auch in Amerika erscheinen wird... Seit Anfang des Jahres läuft in Japan außerdem ein Persona-Anime.
Fazit
Freunden ungewöhnlicher RPGs kann ich den Kauf von Persona 3 nur ans Herz legen, es ist eines der besten JRPGs der letzen Jahre und zeigt, dass die PS2 noch nicht ausgespielt hat. Der erstklassige Stil, das interessante Konzept und die Charaktere sowie der kleine soziale Mikrokosmos sorgen dafür, dass Persona 3 erfreulich frisch und unverbraucht daherkommt.
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| Grafik : 8/10 (erstklassiges Design, liebevoll gestaltet, nur die Zufall-Dungeons können nicht ganz mithalten) Sound : 9/10 (ungewöhnlicher, aber guter Soundtrack, der sich leider oft wiederholt, gute engl. Sprachausgabe) Gameplay : 10/10 (klasse Konzept, taktischer Anspruch, "eine Runde geht noch" Gefühl) Innovation, Abwechslung : 9/10 (unverbrauchtes Konzept, aber manchmal wiedeholt sich der gleiche Tagesablauf immer wieder) Wiederspielbarkeit : 9/10 (Ein JRPG mit Wiederspielbarkeit? Ja, beim 2. Spielen trainiert man andere Persona, führt andere Freundschaften etc.) Gesamt : 9/10 (Sehr gutes JRPG, das sich komplett vom Einheitsbrei abhebt) |
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Hinweis : Dieses Review ist auch in Ausgabe 51 des lohnenswerten Animefanzine Funime erschienen. Wer mehr über die Funime wissen will, gehe auf www.tomodachi.de!
Internet-Tipps
Die gut gemachte Homepage von Atlus USA
http://www.atlus.com/persona3/
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