Resident Evil :
The Umbrella Chronicles



Resident Evil Umbrella Chronicles - Artwork



Wer an Lightgunshooter und Zombies denkt, dem kommt SEGAs House of the Dead-Reihe in den Sinn. Die Lightgun-Reihe steht für schnelle, brutale und gute Arcadeaction - ganz anders hingegen die bisherigen Ausflüge der Resident Evil-Reihe in das Genre. Diese waren bisher meistens eher unteres Mittelmaß und haben keinen Zombie aus dem Grab hervor gelockt. Resident Evil : Umbrella Chronicles ist ein weiterer Versuch von Capcom, mit der Gruselreihe in dem Genre Fuß zu fassen. Ob es dieses Mal besser geglückt ist?


House of the Biohazard


Umbrella Chronicles ist was die Story anbelangt reiner Fanservice. In kurzen Episoden wird die Geschichte von Resident Evil Zero, Resident Evil und Resident Evil 3 nacherzählt. Zusätzlich bekommt man die Chance, Charaktere wie Albert Wesker, Ada Wong oder Rebecca Chambers zu Zeitpunkten zu spielen, in denen man in den Hauptspielen die Abenteuer aus der Sicht anderer Protagonisten erlebt hat. Beispielhaft dafür ist die Flucht der schwerverletzten Ada aus Raccoon City oder Weskers dunkle Machenschaften hinter den Kulissen. Als Sahnehäubchen gibt es eine neue exklusive Episode, welche das Ende von Umbrella beleuchtet.
Die Wiimote wird in dem Spiel zur Waffe - auf den Bildschirm gerichtet nimmt man Gegner und zerstörbare Objekte ins Visier und ballert in der Egoperspektive drauf los, während sich die Charaktere selbstständig durch die Areale bewegen. Mit dem Nunchuck kann man minimal den Kopf bewegen, ansonsten ist es ein reiner Railshooter. Zusätzlich zum Schießen gibt es noch Manöver wie angreifende Gegner wegschubsen, Granaten werfen und mit dem Messer rumfuchteln, welche allesamt einfach von der Hand gehen. Capcom hat es sich außerdem nicht nehmen lassen, ein paar Resident Evil 4-artige Quicktime-Events mit einzubauen, bei denen man während Zwischensequenzen rechtzeitig die auf dem Bildschirm angezeigten Knöpfe drücken muss.


Resident Evil Umbrella Chronicles - Zahnpflege wird überbewertet Resident Evil Umbrella Chronicles - Jill's gonna get raped
Resident Evil Umbrella Chronicles - Subway Resident Evil Umbrella Chronicles - Parken will gelernt sein


So läuft man also mit seinen Charakteren - storybedingt mal allein, mal zu zweit - durch die verschiedenen Szenarien. Unter anderem erkundet man im Spielverlauf fahrende Züge voller Zombies, alte Herrenhäuser, das zombieversuchte Raccoon City und geheime Forschungsanlagen. Die meisten Schauplätze sollten Resident Evil-Fans allerdings bereits bekannt sein, ebenso wie die Gegner. Zombies, Zombiehunde, Zombiespinnen, Zombiepaviane und eine Menge merkwürdiger, unheimlicher Mutationen stellen sich den Protagonisten in den Weg, jeder mit seiner eigenen besonderen Schwachstelle. Einfaches Beispiel : einen normalen Zombie auf die Beine schießen bringt ihn zu Fall, ein halbes Magazin auf seinen Oberkörper abzuballern, besiegt ihn. Wirklich effektiv ist aber bei Kämpfen gegen 8-10 Zombies gleichzeitig vorallem das gezielte Ausschalten mit einem kritischen Treffer etwas oberhalb der Augen. Hier kommt nun auch einer der Hauptunterschiede zwischen Resident Evil und anderen Lightgunshootern zum Vorschein. Während in Genrevertretern wie House of the Dead oder Virtua Cop vor allem Geschwindigkeit und Reflexe gefordert sind, geht es bei Resident Evil eine ganze Spur gemächlicher zu, genaues Zielen ist hier wichtiger. Ganz gemächlich ist es aber natürlich nicht - schnelle Reflexe sind oft notwendig, da das Spiel nicht ganz einfach ist.


Resident Evil Umbrella Chronicles - Explodierende Fässer Resident Evil Umbrella Chronicles - I'm a Snaaaaaake, suck my...
Resident Evil Umbrella Chronicles - Schönes atmosphärisches Herrenhaus Resident Evil Umbrella Chronicles - Igitt


Langer Albtraum


Ein weiterer Unterschied zu anderen Lightgunshootern ist der Adventure-Aspekt. "Adventure" ist vielleicht übertrieben, aber im Laufe der Level kann man nach allerlei Dokumenten und Geheimobjekten Ausschau halten, die zum Vorschein kommen, wenn Objekte zerstört werden. Fans können sich die Dokumente später durchlesen und erhalten dadurch viele Zusatzinformationen über Monster, Hintergründe und Charaktere - wie gesagt, reiner Fanservice. In manchen Stages gibt es verschiedene Abzweigungen, wodurch mehrfaches Durchspielen immer noch spannend sein kann. Aber beim ersten Durchlauf wird man eh kaum alle Objekte finden und mit einem wirklich guten Ranking davon kommen - was wiederum Vorraussetzung zum Freispielen geheimer Bonusstages ist. Desweiteren kann man, ähnlich wie in Resident Evil 4, seine Waffen zwischen den Stages aufbessern, um mehr Munition oder Durchschlagkraft zu erhalten. Die verschiedenen Stages sind im Menü frei anwählbar, und man darf sich zu Beginn 2 Waffen aus dem Waffenschrank aussuchen - doch nur die Standardpistole hat unendlich Schuss, bei anderen Waffen sollte man sich die Munition für dicke Brocken aufsparen. Der Umfang von Resident Evil ist für das Genre beachtlich - während man die meisten Lightgunshooter nach etwa 30-60 Minuten durchgespielt hat und danach "nur noch" auf Highscorejagd geht, bietet Umbrella Chronicles Inhalte für, je nach Fähigkeiten des Spielers, 10-15 Stunden. Der Schwierigkeitsgrad könnte für einige Spieler etwas zu hoch sein, nach dem Ableben heißt es zurück zum Levelanfang oder zum letzen Rücksetzpunkt, der meistens genau in der Mitte des Levels ist. Aber mit ein wenig Übung und Geduld ist das Spiel dennoch gut zu meistern und motiviert mit dem Resident Evil-Storybonus.


Resident Evil Umbrella Chronicles - Die geheime Umbrellabasis wird gut bewacht Resident Evil Umbrella Chronicles - Jill & Chris
Resident Evil Umbrella Chronicles - Wesker, jetzt in Pseudocool Resident Evil Umbrella Chronicles - Freundliche Nachbarn


Was bei einem Lightgunshooter nicht fehlen darf, ist ein zünftiger 2-Spieler Coop-Modus. Während man sich Coop für die Bonusmissionen erstmal freispielen muss, kann man bei den "normalen" Stages sofort loslegen. Zu zweit macht das Ganze noch mehr Spaß, als alleine, und funktioniert auch größtenteils sehr gut. Allerdings gibt es einen Bug, der (sehr selten) das Spiel unspielbar machen kann- wenn 2 Spieler gleichzeitig einen Zombie abschütteln und mit dem Messer rumfuchteln, kann es passieren, dass die Wiimotes nicht mehr erkannt werden, da die Steuerung beim Zombie abschütteln kurz unterbrochen wird . Klingt doof und kompliziert, kommt darum auch wirklich nur ganz selten vor. Da sich beide Spieler eine Heilanzeige teilen, ist doppelte Vorsicht geboten. Besonders coole (oder einsame) Menschen spielen alleine mit 2 Wiimotes im John Woo-Style!

Grafisch wankt das Spiel ein wenig. Einige Szenarien sind atmosphärisch erstklassig und auf hohem Niveau ala Resident Evil 4, andere hingegen verschrecken etwas mit langweiligen, grobaufgelösten Texturen sowie sehr kantigen Objekten. Monster und Charaktere hingegen hat Capcom sehr gut hinbekommen, vorallem die riesigen Endbosse sehen wieder klasse aus. Das gesamte Spiel ist sehr düster und bietet jede Menge Splattereffekte sowie Licht- und Schattenspiele (am beeindruckendsten war der Abschnitt im Ubahn-Bahnhof von Raccoon City, in dem die Wiimote nicht nur Waffe, sondern auch Taschenlampe ist. *grusel*). Da man mit seinen Waffen alle Lichtquellen ausschalten kann, überlegt man es sich 2x, ob man einfach ziellos mit der MG um sich ballert. In einigen Zwischensequenzen bekommt man CG-Sequenzen vorgesetzt, die sich aber stilistisch sehr gut in das Gesamtbild einfügen. Manche Zwischensequenzen kommen sogar "nur" mit illustrierten Standbildern aus, da diese aber von dem ehemaligen SNK-Zeichner Shinkiro stammen, sind diese von sehr hoher Qualität. Insgesamt wirkt die Grafik stimmig und qualitativ hochwertig. Gerade auf dem Wii ist das ja leider keine Selbstverständlichkeit. Die Musik läuft etwas nebenher, großartige Kompositionen gibt es nicht, aber sie macht ihre Arbeit : Spannung aufbauen. Monstergeräusche, Schießeisen und Gruselsounds saugen den Spieler in des Geschehen ein und lassen den Adrenalinspiegel ansteigen. Resident Evil wäre natürlich nicht vollständig ohne total kitschige, die trashige Story perfekt unterstreichende Sprachausgabe.


Resident Evil Umbrella Chronicles - Sergei, der Russe. Stereotyp. Resident Evil Umbrella Chronicles - Rebbeca's gonna get raped
Resident Evil Umbrella Chronicles - Luxushorrorzug Resident Evil Umbrella Chronicles - Zombiewesker


Fazit


Lightgunshooter mag man oder eben nicht. Umbrella Chronicles wird Fans der Originalreihe vielleicht zu simpel daher kommen, die Stories sind oft auf das Nötigste reduziert (oder im Falle von Resident Evil 3 sogar stark umgeschrieben, um dem neuen Gameplay besser gerecht zu werden), Rätsel gibt es natürlich gar keine mehr. Aber wer mit dem Konzept warm wird, findet in Umbrella Chronicles einen umfangreichen, spaßigen Lightgunshooter voller Fanservice, den man immer wieder mal für eine Runde einlegt. Das Spiel macht Lust auf mehr, und da weder Resident Evil 2 noch Resident Evil : Code Veronica (sprich : weder Leon noch Claire) in Umbrella Chronicles vorgekommen sind, hat Capcom auch noch genug weiteres Material für einen - capcom-obligatorischen - Nachfolger. Für Resident Evil und Genre-Fans lohnt sich Umbrella Chronicles auf jeden Fall.

Das Spiel ist übrigens wegen hoher Indizierungsfefahr garnicht erst in Deutschland veröffentlicht worden und nur im europäischen Umland erhältlich.

Player: 1-2 Release: 30.11.07 Firma: CAPCOM Version: EU
Grafik : 8/10 (wechselnde Qualität, meistens sehr stimmungsvoll, schicke Monster)
Sound : 8/10 (Standardsoundtrack, gute Geräuschkulisse, typische Resident Evil-Sprachausgabe)
Gameplay : 9/10 (simpler, aber guter Lightgunshooter mit passender Steuerung)
Innovation/Abwechslung : 7/10 (Gameplay bleibt durchgehend gleich ohne große Überraschungen, nette Objektsuche)
Wiederspielbarkeit : 8/10 (für einen Lightgunshooter sehr lang, Coopmodus, viel Boni und mehrere Schwierigkeitsgrade)

Gesamt : 8/10 (gelungener Lightgunauftritt der Resident Evil-Reihe, für Resident Evil und Genre-Fans auf jeden Fall das Geld wert)


Resident Evil Umbrella Chronicles - Jill Valentine


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