Super Paper Mario



Super Paper Mario - Logotype



Im letzten Jahr des Gamecubes gab es eine Handvoll Titel, die noch für das alte Nintendo-Flagschiff angekündigt wurden. Als bereits alle Welt auf den Wii wartete, gab es einen kurzen und vielversprechenden Trailer zu Super Paper Mario für den Gamecube - doch danach war Funkstille. Wurde das Spiel wegen dem mangelnden Erfolg des Cubes eingestellt, so wie ein paar andere Titel auch? Etwas später geschah das, was mit einigen dieser ursprünglich für Gamecube gedachten Titel passierte: Es wurde für Wii angekündigt. Super Paper Mario ist ein Versuch von Nintendo, das klassische 2D-Jump’n Run auch auf Konsolen am Leben zu erhalten. Und enttäuschend ist dieser Versuch garantiert nicht ausgefallen. Mit Wii-typischen Minispielen, einer tiefgehenden Geschichte und einer originellen Idee ist es definitiv gelungen, dieses Spiel hitverdächtig zu machen. Letzteres spiegelt sich vor allem durch kleine Anspielungen wieder, welche die Internet „Roxxor“-Schiene auf die Schippe nimmt - Was ich persönlich sehr gut finde. Als Nachfolger der Paper Mario-RPGs gibt es auch hier wieder einige RPG-Elemente. Aber weiter im Text…


Es war einmal...

Eigentlich beginnt die Geschichte ganz normal, wie man es bei Mario erwartet. Prinzessin Peach wurde entführt und die Mario Bros. gehen auf die Suche. In der Zwischenzeit werden Peach und Bowser „offiziell“ verheiratet. Und kurz nachdem von beiden das „Ja“-Wort zu hören war, erscheint, wie sollte es anders sein, unser Heldenklempner auf der Feier… Luigi. Soviel zum Intro im Spiel. Jetzt noch ein kurzer Blick auf die Rückseite der DVD-Hülle:

…nimm den Kampf gegen Graf Knickwitz und seine Schergen auf.

Kurzum sollten die letzten Zeilen erzählen, dass diesmal nichts so ist, wie sonst. Bowser ist nicht der Böse, zudem ist Peach nach zwei Stunden auch gerettet und schließt sich den spielbaren Charakteren an. Zur Präsentation im Spiel selber muss ich leider gestehen, dass mir die teils langen Zwischensequenzen, welche das Spiel seinen RPG-Wurzeln verdankt, doch recht auf den Nerven gegangen sind. Häufig kommt es vor, das nach einer kniffligen Sprungeinlage für zwei bis drei Minuten ein Dialog folgt, der einen erheblichen Spielbruch verursacht. Zum Glück haben die Entwickler das aber berücksichtigt und bei langen Geschichtenerzählungen einen Speicherpunkt am Anfang und am Ende gesetzt.

Super Paper Mario - Peach heiratet Bowser Super Paper Mario - Der 3D-Modus in Aktion
Super Paper Mario - Wie kann man nur entkommen? Super Paper Mario - Geisterhaus


Was dreht alles?


Super Paper Mario explodiert geradezu vor originellen Ideen für dieses Genre. Der wichtigste Punkt ist, dass sich Mario drehen kann, besser gesagt: er dreht die 2D-Welt. Ein Beispiel: Eine hohe Röhre versperrt unserem Helden den Weg. Selbst mit Anlauf gelingt es uns nicht, dieses Hindernis zu überwinden. Was tun wir? Wir drücken (A) und die Spielwelt verwandelt sich in eine 2D-Landschaft mit einer 3D-Tiefe. Nun marschieren wir einfach um die Röhre rum und das Hindernis ist überstanden.

Der nächste Punkt gefällt mir besonders gut, weil er mich an Super Mario Bros. 2 (us) erinnert. Im Laufe der Geschichte stoßen Prinzessin Peach und Bowser als spielbare Charaktere dazu. Peach verhält sich genau so, wie man es von ihr erwartet- sie gleitet wie in Super Mario Bros. 2 durch die Luft. Bowser hingegen spuckt Feuer. Allerdings verfügen diese nicht über den „3D-Wechsel“ von Mario, weshalb man die meiste Zeit mit ihm spielt, um auch ja keinen Geheimgang zu verpassen.
Als Gehilfen und „Möglichkeitenerweiterungen“ dienen die sogenannten Pixl. Diese sind eine Anzahl kleiner Helferlein, welche die Fähigkeiten der Helden mit Stampfen, Schrumpfen, Werfen und anderem erweitern. Natürlich ist damit zu rechnen, das man ab und zu vor einem Geheimgang steht, diesen aber nicht benutzen oder erreichen kann. Erst wenn man im Verlauf der Geschichte den notwendigen Pixl gefunden hat, kann man jene Geheimgänge erkunden.

Zu guter letzt kommt wohl die größte Änderung an dem üblichen Jump’n Run-Konzept, in der das Erbe der Paper Mario-Reihe spürbar wird. Punkte sind Erfahrungspunkte und man beim Aufstieg der Level erhöhen sich Lebenspunkte und Angriffskraft. Es gibt keine 1-Up Pilze, der Superpilz erneuert außerdem jedeglich die Lebenspunkte des Charakters, anstatt wie in den "echten" Mario-Jump n'Runs einen Wachstumsschub zu verleihen. Ein Inventar für Gegenstände, mit denen man die genannten Werte verbessern oder Gegner ohne das „Draufspringen“ ins Game Over schicken kann, ist ebenfalls vorhanden. Kaufen kann man diese mit gesammelten Münzen in Flipstadt, einem zentralen Ort, von dem jedes der acht Kapitel startet. Diese Stadt ist bewohnt und die Leute haben eine Menge zu erzählen. Es gibt also einige RPG-Elemente, aber wo Paper Mario ein RPG mit Jump n'Run Elementen war, ist Super Paper Mario eher ein Jump n'Run mit RPG-Elementen.

Super Paper Mario - Peachs: jetzt auch in Tentakel Hentai! Super Paper Mario - Bowser speit Feuer... durch den Helm?
Super Paper Mario - Das ist allerdings nicht Cooking Mama Super Paper Mario - Wie in New Super Mario Bros...

Wie gezeichnet


Die Grafik in Super Paper Mario wirkt auf den ersten Blick etwas einfach, aber der Schein trügt. Wer die Vorgänger gespielt hat, erkennt sofort die total zweidimensionalen Charaktere wieder, die wie ausgeschnittene Papier-Figuren wirken (daher auch "Paper Mario"). Die Charaktere sind allesamt liebevoll ausgearbeitet, wodurch sie mehr wie aus einem Zeichentrickfilm als aus einem Spiel wirken. Die Level halten sich ebenfalls an diesem Thema, behalten aber dabei den Stil aus anderen Super Mario Bros.-Titeln bei. Zur Abwechslung tauchen immer wieder grafische Spielereien auf, die einen doch beeindrucken können. Bildschirmfüllende Kraken oder einfach nur ein übergroßer 8-Bit-Pixelmario auf den Bildschirm (ähnlich wie der Riesenpilzmario in New Super Mario Bros, bloß mehr retro) lassen die Grafik extrem verspielt wirken. Insgesamt ist die Grafik vielleicht nicht das nächste Gesprächsthema unter Freunden, was Fotorealismus angeht. Doch ist die Grafik genauso unterhaltsam wie das Spiel selber. Extrem abwechslungsreich und voller Ideen. Außerdem … sind wir mal ehrlich. Wer würde schon ein Mario-Spiel spielen das von der Grafik nicht dem Stil seiner Vorgänger entspricht?

Über Sound und Musik kann man sich nicht beklagen, alles passt zusammen, auch wenn das eigentlich typische Sprunggeräusch verändert wurde. Was ich persönlich etwas schade finde, ist, dass Ohrwürmer wie die Titelmelodie aus Super Mario Bros. 1 kaum angespielt werden. Dafür gibt es eine Menge neuer Musik, welche zwar stimmig ist, aber genau diese Ohrwurmqualität nicht erzeugt.

Bug in Kapitel 2.2

Noch einen Hinweis von mir, bevor ich zum Fazit komme. Es gibt einen Bug im Spiel, weshalb Nintendo eine bundesweite Austauschaktion gestartet hat. Dieser Fehler taucht nur in der deutschen Version auf - und man kann ihn umgehen. Ich erkläre dies auch nur mit einem Satz, um nicht zu viel zu verraten.

„Der Schlüssel ist im ersten Raum“


Super Paper Mario - Riesenschlange Super Paper Mario - Die Schöne und das Biest

Fazit


Ich habe mir Super Paper Mario geholt, weil ich etwas Probleme mit der Steuerung von 3D-Jump’n Runs habe. Sagen wir, ich bin einer von der alten Schule. Und wer so etwas sucht wird von Super Mario Paper garantiert nicht enttäuscht. Vor allem wird man immer wieder überrascht sein, was da draus geworden ist, und was für neue Ideen dazugekommen sind. Das einzige Laster dieses Spieles ist der viele Text, der schon jemanden stören kann, der nur etwas „Springen“ will. Das Spiel selber ist bei Nintendo als „Adventure, RPG, Action“ gelistet, und nicht als Jump’n Run.

Player: 1 Release: 14.09.07 Firma:Nintendo Version: PAL
Grafik : 8/10 (Die Grafik ist im Stil der RPG-Vorgänger gehalten, trotz einer Konsole, die mehr kann. Leider fällt besonders im 3D-Modus auf, das die Welt dazu nicht geeignet ist und man vermisst ab und zu etwas die „Liebe zum Detail“. Aber Hey! ... It’s me, Mario!)
Sound : 8/10 (Stimmiger Soundtrack und gute Soundeffekte. Leider fehlt zu sehr das Feeling der Originalmusik.)
Gameplay : 10/10 (Absolut nicht gegen zu sagen. Die Steuerung ist alles, was man sich wünscht. Mit quer gehaltener Wii-Remote springt man durch die Landen. Angenehm sind auch die Abwechslungen in der Steuerung. Wird man z.B. eingefroren muss man die Wii-Remote schütteln, um wieder frei zu kommen.)
Innovation/Abwechslung : 10/10 (Vom Anfang bis zu Ende entdeckt man immer etwas Neues. Sei es ein neues Item, ein neues Pixl oder nur eine grafische Änderung. Hinter jeder Ecke erwartet einen etwas, womit man nicht gerechnet hat.)
Wiederspielbarkeit : 6/10 (Hat man die Hauptgeschichte durch, hat man noch die Möglichkeit, Karten zu sammeln, die z.B. den Schaden gegen einen bestimmten Gegner erhöhen. Aber warum solle man das tun, wenn man das Spiel doch schon durch hat? Wenn man sich dafür nicht begeistern kann, ist das einzige was für eine Wiederspielbarkeit spricht, der hohe Faktor an Innovation im Spiel. Deshalb endet das Spiel eigentlich wie die Vorgänger … im Regal. Und man holt es vielleicht nach einenm viertel oder halben Jahr wieder hervor.)

Gesamt : 8.5/10



Super Paper Mario - Der Kaufgrund

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