Super Princess Peach






Während ein „echtes“ neues Mario-Jump n’Run in 2D seit über einem Jahrzehnt ein unerfüllter Traum geblieben ist (der aber bald dank New Super Mario Bros in Erfüllung geht...) durften sich wenigstens Protagonisten und Antagonisten des Mariouniversums über Soloauftritte freuen. Neben Wario und Yoshi darf nun auch Prinzessin Peach die Hauptrolle in einem eigenen 2D-Hüpfer übernehmen, denn diesmal wurde nicht sie, sondern der fette Klempner Mario von Bowser entführt, und harrt auf der geheimnisvollen Gemütsinsel seiner Rettung. Da Peach mit der Zeit und der Emanzipation geht, macht sie sich wutentbrannt selbst auf, ihn in Begleitung des mysteriösen sprechenden Regenschirms Perry zu retten...


Sweet Peachez


Neben dem für das Genre titelgebenden Hüpfen und Springen beherrscht Peach eine ganze Menge neuer Kniffe, die teils komplett neu sind, teils aber auch an Super Mario Bros 2 (us und eu-version) erinnern. Mit Regenschirm Perry kann sie Gegner zusammenschlagen, aufheben und rumwerfen – einfaches auf den Kopf springen reicht nicht mehr für den Exitus eines Gegners, da müssen rabiatere Methoden ran. Außerdem ermöglicht Perry ihr auch später, für kurze Zeit zu schweben, kann als Gondelersatz an Seilen entlang huschen oder sich in ein Unterseeboot verwandeln, um Peach trocken durch das Nass zu bringen. Peach selber kann nun auf dem Boden grätschen und damit Blöcke und Gegner weghauen und die Stampfattacke beherrscht ja mittlerweile jeder in der Mariosippe...

Als wäre das nicht genug, erwachen auf der Gemütsinsel weitere Kräfte in Prinzessin Peach. Via Touchscreen kann man zwischen den Gemütszuständen Freude, Trauer, Wut und Gelassenheit wählen. Solange Peachs Gemütsliste voll ist, ist es ihr dann ermöglicht, im wörtlichen Sinne wutentbrannt Gegner zu verfeuern, voller Trauer Sturzbäche an Tränenflüssigkeit zu vergießen, gelassen ihre Lebensenergie aufzustocken oder fröhlich trällernd luftig leicht durch die Luft schweben. Lebensenergie? Ja, wie Kollege Wario muss auch Peach nicht nach einem Treffer ihr Leben aushauchen, sondern hat eine erweiterbare Anzahl an Herzen zur Verfügung, die sich bei Gegnerkontakt und auch bei Abstürzen in tiefste Abgründe verringern. Die Gemütsleiste lässt sich auch wieder aufladen, durch Verschlingen von Gegnern durch den Schirm Perry oder durch kleine blaue Kristalle, die man immer wieder mal findet.

Das Spiel teilt sich in 8 Welten mit je 5 regulären Level für den 1. Durchlauf und 3 weiteren, geheimen im 2. Durchlauf auf, was die Gesamtzahl der Level auf immerhin 64 Stück bringt. Thementechnisch wird durchgehend Standard geboten, Wald- und Wiesenlevel, Schnee, Lava und Strand, Geisterhaus, Himmel und Bowserturm kennt man schon aus der Klempners Auftritten, verrückte Experimente a la Wario bleiben leider aus. Dafür sind die einzelnen Level routiniert fair und gut zusammengestellt und bieten einige coole Rätsel, welche den Einsatz von Peachs Emotionen erfordern. So kann sie mit freudigen Luftwirbeln schwere Wolken beseitigen, mit Heulattacken Wasserräder in Gang setzen und mit wütendem Stampfen auch schwere Steine zum Einstürzen bringen... Ebenfalls cool sind Ideen wie sich drehende Level oder kleine Actionsequenzen unter Wasser mit dem U-boot. Das sich so ziemlich jeder klassische Mario-Gegner auch in Peachs Abenteuer wiederfindet, bringt alten Zockern sicher ein Lächeln ins Gesicht. Gumbas, Koopas, Lakitus, BuuHuus, Kettenhunde und viele mehr sind allesamt zurück und wollen Peach an die Wäsche... und neuerdings dürfen auch die Gegner Gefühle zeigen, so sind wütende Koopas aggressiver und bringen durch Stampfen schon mal den Boden zum erzittern, während ein trauriger Knochentrocken etwas lustlos rumstapft und nur unwillig anfängt, zu attackieren.




Besonders die Kämpfe gegen die Endgegner machen eine Menge Spaß. Nach dem Intro- Abschnitt mit leichten Geschicklichkeitsübungen mit dem Touchscreen – z.B. Buus abschießen oder Plattformen wie einen Bogen spannen und Peach damit nach oben befördern – warten die teilweise bildschirmgroßen Widersacher, die nur mit speziellen Tricks zu besiegen sind. Der Riesenpiranhapflanze Mutant-Tyranha muss man z.B. wenn sie ihr Maul aufreißt, mit einer feuchten Heulattacke soviel Flüssigkeit in den Magen befördern, dass sie voller Wasser auf den Rücken kippt, um ihr dann auf den fetten Bauch, ihrem Schwachpunkt, zu springen. König BuuHuu hingegen hasst Licht, also muss man erst mal die Fakeln im Raum durch Peachs feurig-wütendes Temperament aktivieren, bevor er verwundbar wird.


Pink Lady


Münzen bringen keine Extraleben mehr – von denen hat Peach nämlich unendlich – sondern lassen sich im Laden gegen neue Fähigkeiten mit so wohlklingenden Namen wie „Gleit“ oder „Rumms“-Schirm , Erweiterung der Gemüts- und Herzleiste sowie diverse Extras eintauschen. Auch in den Levels selber muss man die Augen offen halten und jeder Abzweigung folgen, gilt es doch, neben Mario auch die überall auf der Gemütsinsel gefangen gehaltenen Toads zu befreien. 3 Stück pro Level, dazu gibt’s dann noch Puzzelteile und Minispielkugeln. Wer alle Puzzelteile findet, darf im Spielmenü Puzzle spielen, außerdem laden die Minispiele zu ein wenig Abwechslung ein. Neben einer leichten Touchscreen-Zielübung und der Rettung von Toads aus einem brennenden Dorf durch Touchpenführung darf man in einem besonderst spaßigen Minispiel Toads durch eine einfache, selbstablaufende Jump n’Run sequenze geleiten, und diese durch Pusten ins Mikrophon zum Springen bringen. Schließlich gibt es noch einen Musikraum zum Anhören gefundener oder gekaufter Melodien und Stimmen aus dem Spiel sowie ein Gegnerglossar mit 89 Einträgen, die zum Sammeln aller Gegnerdaten durch Ausschalten eben dieser einlädt. Ein 2. Durchlauf ist erzwingend, wenn man alles finden will, denn erst nach dem 1. Sieg über Bowser werden neue Geheimnisse in den Leveln versteckt die Zusatzlevel freigeschaltet.

Während fast alle Elemente des Spiels gekonnt zusammengesetzt sind und auch für wochenlangen Spielspaß sorgen dürften, ehe man alles gefunden hat, gibt es doch ein paar Störfaktoren. Neben dem bereits angesprochenen Manko, dass die Themen der Welten doch sehr Jump `n Run Standard sind, fällt vor allem der in großen Teilen des Spiels sehr niedrige Schwierigkeitsgrad ins Auge. Die ersten 5 Welten dürften erfahreneren Spielern keinerlei Schwierigkeiten machen, erst gegen Ende des Spiels gibt es auch ein paar anspruchsvollere Jump ´n Run Sequenzen. Den Schwierigkeitsgrad eines normalen Mario-Spiels erreicht Super Princess Peach aber nie. Daher eignet sich Peachs Abenteuer vor allem für jüngere Spieler und Anfänger – dem Gesamtdesign und Peachs Hauptrolle nach zu urteilen wohl auch weiblichen Spielern. Dennoch dürften auch Mario-Fans Spaß an dem Titel haben.




Technik


Das gesamte Spiel ist in 2D-Optik gehalten, alle Objekte und Charaktere sind liebevoll gezeichnet und animiert. Am Stil werden sich wohl die Geister scheiden – alles ist sehr niedlich und süß, von Peachs allgemeinem pinken Look bis hin zu den knallbunten Leveln und Gegnern. Dennoch wirkt das Spiel optisch und farbatmosphärisch stimmig und wie aus einem Rutsch, nur grobpixelige Effekte bei Vergrößerungen von Gegnern, wie z.B. den Piranhapflanzen, hätten nicht sein müssen, sind aber zum Glück sehr selten. Stellenweise ist die Optik aber auch etwas unspektakulär und man bekommt den Eindruck, auf einem GBA hätte man die Optik auch darstellen können. Soundtechnisch wird nichts Ungewöhnliches geboten, die Melodien schwanken von ganz netter Hintergrundbeschallung bis hin zu treibenden Mitsummmelodien, wobei die „nur-nette“ Hintergrundbeschallung leider überwiegt. Genervt wird man aber nie.


Fazit


Mario-Fans dürfen sich Peachs Soloabenteuer auf jeden Fall näher anschauen, sollten sich aber auf einen relativ niedrigen Schwierigkeitsgrad einstellen. Zum Ausgleich gibt es phantasievolle Aufgaben, niedliches Design und ein emotionsgeladenes Abenteuer. Ansonsten spricht es vor allem Einsteiger an, welche aber sicher bestens unterhalten werden...



Player: 1 Release: 26.5.06 Firma: Nintendo Version: EU
Grafik : 6/10 (zuckersüße und liebevolle, aber etwas unspektakuläre Optik)
Sound : 7/10 (nette Musikuntermalung)
Gameplay : 9/10 (ohne größere Mängel, geringer Schwierigkeitsgrad)
Innovation, Abwechslung : 8/10 (sehr gewöhnliche Weltenthematiken, dafür aber viele coole Ideen mit Peachs Emotionen)
Wiederspielbarkeit : 8/10 (Wegen dem leichten Schwierigkeitsgrad etwas schnell durch, aber bis alle Geheimnisse gelüftet sind, dürften auch ein paar Tage oder Wochen vergehen)

Gesamt : 8.5/10 (routiniert gutes Jump ´n Run im Mariouniversum)


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