
1995 veröffentlichte Namco in der Endphase des Super Nintendo das Rollenspiel "Tales of Phantasia". Das Spiel holte technisch das letzte aus dem mittlerweile betagten Gerät raus und bot auch spielerisch Innovation : Statt einem Zelda-like Actionadventure oder einem rundenbasierten Final Fantasy-Clon mischte Namco die Elemente und ließ den Spieler in actionreichen Gefechten einerseits seinen Leuten Befehle geben, aber andererseits auch selber in Echtzeit kämpfen.
7 Jahre später... nach einigen Fortsetzungen und Remakes des Originals für die Sonykonsolen (besonders hervorzuheben : Tales of Destiny) erscheint "Tales of Symphonia" auf dem Gamecube. Damit sorgt Namco für die Wachablösung des einzigen anderen wirklich guten JapanoRPG für das Nintendogerät, die Dreamcast-Umsetzung "Skies of Arcadia Legends". Doch kann das RPG mit anderen Größen des Genres mithalten?
Das Spiel
Wieder mal eine "Auserwählte" auf dem Weg zur Welterneuerung und der damit verbundenen Rettung der Welt... Man sollte sich nicht von der am Anfang simplen Story täuschen lassen . Denn schon nach wenigen Stunden nimmt die Story einige krasse Wendungen und lässt den Spieler in eine Welt (oder besser : 2 Welten) voller Intrigen, Rassismus und Hoffnungslosigkeit abtauchen. Keine Angst : dennoch gibt es auch genug Humor, todernst geht es nur selten zu. Mehr sollte hier nicht gesagt werden, um die Spannung zu erhalten. Für die sympathischen Charaktere spendierte wie bei den Vorgängern Kosuke Fujishima das Design (Spieler kennen ihn auch von "Sakura Wars", Animefans durch "Oh! My Goddess").
Das Spiel beginnt in einem verträumten kleinen Dorf, in dem Lloyd Irving, der Held der Geschichte, gerade in der Schule in der Ecke steht, weil er wieder mal etwas verbockt hat. Schon bald gibt es jedoch Ereignisse, die dazu führen, dass Lloyds Kindheitsfreundin Colette, die "Auserwählte", ihre Reise zur Welterneuerung antreten muss. Doch vorher hat man Zeit, sich im ersten Dorf des Spiels umzuschauen, und gleich fällt einem die detailverliebte Gestaltung auf. Jedes Gebäude sieht anders aus, ein Rollenspiel, dass zum Erkunden einlädt. Später, wenn man mehrere Charaktere in der Gruppe hat, kann man die gesteuerte Figur wechseln und bekommt dadurch manchmal andere Reaktionen in Gesprächen (Frauenheld Zelos z.B. flirtet mächtig und bekommt dafür kleine Dankeschöngeschenke).
Sobald man das erste Mal mit Gegnern konfrontiert wird, fällt positiv auf : keine Zufallskämpfe (sind mittlerweile ja auch ziemlich aus der Mode gekommen). Beim Kampf selber klickt man sich nicht durch strategische Menüs, sondern legt selber in Echtzeit Hand an. Das Kampfsystem ist ähnlich, wie bei einem Beat 'em Up : Spezialattacken und Magie werden durch Tastenkombinationen ausgelöst, geschickte Spieler machen die Gegner mit langen Combos ordentlich fertig. Mithilfe einer gemeinsamen Attacke schickt man die Gegner besonders effektiv ins Jenseits. Man kann den gespielten Charakter jederzeit wechseln, der Computer übernimmt die anderen Charaktere, wobei man zwischen verschiedenen Strategien wählen kann und auch selber direkt Befehle geben darf. Gute Idee : Mit bis zu 3 Mitspielern darf man das Spiel auch gleichzeitig spielen. Nachteil : Die Kamera bleibt immer auf Spieler 1 fixiert und außerhalb der Kämpfe haben die Freunde nix zu tun (außer zuschauen).
Die Gegner wissen aber auch, sich zu wehren : Neben Offensivtechniken sollte man also auch Heilmagie parat haben, um Vergiftungen und andere negative Statuseffekte beseitigen zu können.
Die Dungeons und ihre Rätsel sind fordernd, nur selten bleibt der "Ach, so geht das!" Effekt aus. Dank des Manarings, der in den meisten Dungeons unterschiedliche Fähigkeiten besitzt - z.B. Feuer schießen, Erdbeben auslösen, Strom abgeben etc. - muss man immer wieder neu an die Aufgaben rangehen. Bis auf eine Ausnahme sind alle Dungeons eine spaßige Angelegenheit und wesentlich besser, als die Dungeons in den meisten anderen aktuellen RPGs.
Das Level- und Fertigkeitensystem ist nicht minder interessant - jenachdem, ob man seinen Charakter auf Tactical oder Strike auslegt, bekommt man andere Fähigkeiten hinzu, die wieder darauf basieren, welche Fertigkeiten man besonders häufig einsetzt. Dadurch ergeben sich viele verschiedene Möglichkeiten, außerdem kann man Tactical und Strike vermischen. Mit den sogenannten Erfahrungsgemmen (Level 1-4) lassen sich zusätzliche Fähigkeiten auswählen, manche Kombinationen ergeben einen weiteren Bonus. Auch nett : Die Charaktere erhalten im Laufe des Spiels Titel, die ihre Fähigkeiten beeinflußen und die jederzeit gewechselt werden können. Einige sind auch eher nutzlos oder geben euch neue Kostüme (z.B. Badekleidung oder Klonoa, bekannt aus dem gleichnamigen Jump n'Run).
Die Hauptstory ist zwar linear aufgebaut, zahlreiche Nebenquests sorgen dennoch für Abwechslung. Und ganz linear ist das Spiel nicht wirklich : Je nach Haltung gegenüber den Mitstreitern ändert sich deren Beziehung zu Lloyd, was für unterschiedliche Szenen und sogar alternative Endings sorgt. Dank der zwischendurch eingeworfenen Gespräche (teilweise humorvoll, oft aber auch ernsthaft) lernt man die Charaktere erst richtig kennen und hat bald ein Grandia 1-ähnliches "Wir sind eine Truppe" Gefühl, was das Spielerlebnis zusätzlich verbessert. Nach einmaligen Durchspielen eröffnet sich die Möglichkeit, dass Spiel ähnlich wie Final Fantasy X-2 erneut zu spielen, um eine komplette Monster- und Itemliste zu bekommen oder unter veränderten Bedingungen neue Möglichkeiten zu erfahren. Mit insgesamt 50-60 Stunden Spielzeit für einmaliges Durchspielen (ohne alle Zusatzaufgaben) gehört ToS durchaus zu den längeren RPGs.
Technik
Die Optik ist im CelShading Look gehalten, was den Animecharakteren aber gut steht. Weniger gut steht ihnen aber die in Ingame-Zwischensequenzen leicht verschwommene Perspektive und die manchmal merkwürdigen Animationen. Abgesehen davon sollte man sich nicht von der farbenfrohen Animeoptik abhalten lassen, denn bunte Grafik muss nicht unbedingt für ein Kinderspiel stehen. Die äußerst detaillierten und atmosphärischen Szenarien sorgen für eine passende Stimmung und man freut sich, dass hier scheinbar nicht nach dem Baukastenprinzip gebastelt wurde. Die von Production I.G. angefertigten Zwischensequenzen können sich ebenfalls sehen lassen, aber insgesamt wurden nur wenige Animesequenzen eingestreut (u.a. im Opening und bei Schlüsselszenen). Leider fällt das Spiel präsentationstechnisch hinter Final Fantasy zurück, da die Ingame-Zwischensequenzen meist nicht besonders spektakulär und cineastisch ausgefallen sind.
Auch soundtechnisch ist ToS nicht ganz an der Spitze. Zwar klingt die Musik nicht schlecht, und viele Melodien haben Mitsummqualität, aber mit Final Fantasy und Dragon Quest kann sie nicht ganz mithalten. Die Sprachausgabe klingt professionell (einige der Stimmen haben Kenner bereits in anderen RPGs gehört), leider wurden die "Skits" nicht mitsynchronisiert, wie im japanischen Original.
Die PAL Anpassung kommt ohne Balken aus, hat aber einen geringen Geschwindigkeitsverlust. Die deutsche Übersetzung kann mit der englischen Fassung locker mithalten, Nintendo selber hat die Lokalisation übernommen und aus Erfahrung weiß man, dass das in der Regel Gutes verheißt. Ladezeiten sind nicht vorhanden, die Minidisc zeigt hier klare Vorteile bei der Zugriffszeit.
Die PS 2-Version bietet neben einigen neuen Attacken und Titeln auch zusätzliche Animezwischensequenzen, allerdings sind die Ladezeiten einen Tick länger. Leider bleibt die PS 2-Version Japanexklusiv, Fans der Tales...-Reihe sollten also zur Cubefassung greifen.
Fazit
Tales of Symphonia rockt. Mehr als die letzten Final Fantasy-Spiele, mehr als Grandia 2, mehr als die meisten großen RPGs der 128Bit Generation. Einzig die Präsentation der Zwischensequenzen könnte besser sein, ansonsten bekommt man ein wunderschönes, detaillverliebtes RPG mit einem klasse Kampfsystem, Beziehung zu den Charakteren, interessanten Rätseln und vielem mehr. Nicht nur auf dem Gamecube, sondern konsolenübergreifend eines der besten JapanoRPGs dieser Generation, jeder mit Interesse an RPGs sollte ToS in seiner Spielesammlung haben.
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| Grafik : 8/10 (Liebevoll & abwechslungsreich, leider in Zwischensequenzen etwas mittelmäßig präsentiert) Sound 8/10 (Gute Musik, die zum Spiel passt, Sprachausgabe in wichtigen Schlüsselszenen) Gameplay : 10/10 (Tolles Kampfsystem, gutes Levelsystem... eine Symphonie ;) Innovation, Abwechslung : 10/10 (Tolles Kampfsystem... viele verschiedene Dungeons, abwechslungsreiche Story) Wiederspielbarkeit : 8/10 (alternative Endings, einige Sidequests, Charakterbeziehungen) Gesamt : 9/10 (Ein Traum für Rollenspieler, das bisher beste RPG auf dem Gamecube) |
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