Castlevania: Order of Ecclesia

Er ist nicht tot zu kriegen – und 2D-Enthusiasten dieser Welt sind ihm dafür dankbar. Der unsterbliche Vampir Dracula hat Nintendos Handhelds bereits mehrfach unsicher gemacht. Das gewohnte Gameplay aus Symphony of the Night, welches das klassische 2D-Platformkonzept mit RPG-Elementen kombiniert, blieb dabei meist relativ unangetastet. Neue Elemente wie Seelendiebstahl in Aria und Dawn of Sorrow erweiterten deutlich die Kombinationsmöglichkeiten und die eher mittelmäßige Teile wie Harmony of Disshonance waren die Ausnahme. In Portrait of Ruin gab es dann 2 jederzeit wechselbare Hauptcharatere im Hauptspiel und Areale außerhalb des Gruselschloss-Settings. Trotz der Änderungen begann die Reihe, sich wegen der insgesamt relativ unveränderten Spielweise etwas veraltet anzufühlen. Man wurde das Gefühl eines ständigen Déjà-vus nicht los.
Mit Order of Ecclesia soll sich das nun ändern – erstmals wurden wesentliche Elemente der Reihe verändert und um neue Ideen erweitert.
Frauen an die Macht
Irgendwann in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts… Der Verbleib des Belmont Clans ist ungewiss, Alucard nirgendwo aufzufinden. Doch das ultimative Böse in Form des Vampirs Dracula lauert immer noch in den Schatten der Nacht. Mehrere Orden wurden speziell mit dem Ziel gegründet, Dracula zu bannen. Der Ecclesia-Orden hat sich als wirksame Methode die Verwendung von Glyphen erarbeitet – magische Fähigkeiten, die nur von wenigen Menschen verwendet werden können – und die besonders mächtige Glyphe “Dominus” sollte in der Lage sein, Dracula zu bezwingen. Die junge Frau Shanoa wird erwählt, Dominus zu verwenden, doch während dem erforderlichem Ritual kommt ihr Kollege Albus dazwischen und stiehlt die mächtige Glyphe. Seine Motivationen sind ungewiss, und Shanoa nimmt die Verfolgung auf… Dies ist übrigens erst das 2. Mal, dass eine Frau in einem 2D-Castlevania die alleinige Hauptrolle einnimmt (das 1. Mal war es Sonia Belmont in Castlevania: Legends für den Game Boy). Und nicht nur das ist ungewöhnlich in Order of Ecclesia…

Überraschung! Order of Ecclesia beginnt nicht in einem großen Schloss, sondern bietet zunächst verschiedene kleinere Stages, die auf einer Weltkarte anwählbar sind. Der Forscherdrang wird dennoch befriedigt, denn die Stages sind nicht immer linear, sondern bieten viele Abzweigungen. Oftmals wird man die Gebiete später erneut besuchen, wenn man sich dank neuer Fähigkeiten weitere Bereiche erschließen kann. Alte Klöster, nebelige Sümpfe, verlassene Spukvillen, Gefängnisse, Wald und Berggebiete – das alles kennt man noch aus alten Castlevania-Spielen vor Symphony of the Night, und es ist angenehm, sich mal wieder außerhalb der Dracula-Gemäuer aufzuhalten. Das Dorf Wygol dient dabei als Art Basis. Zunächst ist Wygol leer und einsam, aber später wird es mit von Shanoa geretteten Einwohnern gefüllt, welche Aufträge für sie parat haben und im Gegenzug nützliche Belohnungen bieten. Das ganze erinnert entfernt an Castlevania 2 – Simon’s Quest für das NES, ist aber wesentlich besser umgesetzt.
Auch spieltechnisch gibt es neues zu vermelden. Statt Waffen verwendet Shanoa Glyphen, welche sich auf linke und rechte Hand legen lassen. So kann man beispielsweise eine Wurfaxt und ein Schwert gleichzeitig führen und einfache Komboangriffe ausführen. Im Laufe des Spiels gibt es noch einige andere Waffenglyphen sowie Schilder und mächtige Magie – und man wird alles brauchen, denn im Gegensatz zu den Vorgängern haben die Gegner nun richtig spürbare Resistenzen und Schwächen. So sind Skelete gegen Hämmer besonders verwundbar, Geistererscheinungen hingegen gegen materielle Waffen fast immun, was Magieeinsatz erforderlich macht. Glücklicherweise kann man sich gleich mehrere Glyphenlayouts zurechtlegen, zwischen denen direkt gewechselt werden kann. Experimentieren mit Glyphen wird auch belohnt : Je nach Kombination gibt es diverse besonders mächtige Spezialattacken. Als dritte Glyphe kann man Zusatzkrempel wie Magnete, dank denen man sich an bestimmte Magnetkreisen hochziehen kann, oder diverse Status verbessernde Eigenschafften anlegen. Das System ist gut durchdacht und bietet mehr als das übliche “die mächtigste Waffe auswählen und feste drauf”.


Die RPG-Elemente sind immer noch vorhanden, und neben dem üblichen Aufleveln steigen auch die Fähigkeiten in diversen Waffen- und Magierubriken je nach Häufigkeit der Verwendung. Der Schwierigkeitsgrad hat deutlich angezogen, und nur, wenn man das Glyphensystem intelligent einsetzt, wird man die Gegnerhorden und vor allem die Endgegner heil überstehen. Das wird besonders den Spielern vor den Kopf stoßen, die erst mit Symphony of the Night in die Serie eingestiegen sind. So schwer wie die NES-Castlevanias wird Order of Ecclesia aber nie. Dennoch wird der Tod nun ein regelmäßiger Begleiter sein, bis man sich die richtigen Taktiken zurecht gelegt hat. Unfair ist Order of Ecclesia aber nie, und auch die Endgegner machen trotzdem mehr Spaß, als in den Handheld-Vorgängern.
In der zweiten Hälfte des Spiels kommen dann auch Burggemäuer-Fans wieder auf ihre Kosten, denn serientypisch wird auf Draculas Schloss nicht verzichtet. Das Leveldesign ist dieses Mal klarer und weniger verworren, und auch Secrets findet man dieses Mal nicht nur durch Zufall. Speicher- und Warppunkte sind fair gelegt und dank einer Art “Stadtportal” kann man in Notsituationen immer schnell entkommen. Order of Ecclesia ist zudem länger als die Vorgänger und bietet natürlich auch wieder weitere Spielmodi mit anderen Charakteren. Lediglich das Suchen nach allen Dorfbewohnern, welches nötig ist, um Draculas Gemäuer aufsuchen zu können, wirkt etwas in die Länge gezogen.


Das Kruzifix bereit…
Technisch muss sich Castlevania: Order of Ecclesia in keinster Weise verstecken. Die Vorgänger lässt es optisch hinter sich, butterweiche 2D-Animationen, teilweise wunderschöne und atmosphärische Hintergründe sowie größtenteils neugezeichnete Gegnersprites verwöhnen das Auge. Lediglich einige grobpixelige Gegner sowie ein paar der Wald- und Berggebiete können nicht ganz mithalten, aber insbesondere Draculas Burg ist dieses Mal eine echte Augenweide. Musikalisch hält Order of Ecclesia das Niveau der Vorgänger, und klingt insgesamt etwas rockiger und wilder. Besonders zu begrüßen ist die Abkehr von dem für die Serie etwas unpassenden Samstag-Vormittag-Animestyle zurück zu dem detailverliebten Illustrationsstil, den man aus den Spielen zwischen Symphony of the Night bis Aria of Sorrow gewöhnt war. Während der Animestil an sich nicht schlecht war, passte er nicht ganz so gut zu der Gruselatmosphäre und dem gotischen Setting des Spiels.

Die Vampire bitten zum Tanz
Castlevania: Order of Ecclesia macht fast alles richtig – und darf sich damit zu den wohl besten Teilen der Reihe zählen. Die Atmosphäre ist klasse, das Spielsystem interessant und der Umfang stimmt ebenfalls. Vorallem macht das Spiel Spaß – und fühlt sich mangels dem serientypischen Recycling erstmals wieder richtig frisch an. Allerdings sollten Spieler, die durch hohen (aber fairen) Schwierigkeitsgrad leicht demotiviert werden, lieber Abstand halten. Castlevaniafans sollten aber auf jeden Fall zugreifen, oder um es in Shanoas Worten zum Abschluss zu bringen : “Here I am… It’s all gone. …What little I had, anyway. No, that’s not true, there’s one thing left… …My mission. I’m the only one left who can end this. Hear me, Dracula! I am the morning sun, come to vanquish this horrible night!”
Hersteller:
Genre: Action-RPG, Platform
Spieler: 1-2
Online: Onlinefunktionen (Itemtrading, Versusbattle u.ä.)
Sprache: engl./jp. dub, engl. sub
Version: US
Release: 21.10.08
Für Fans von: NES-Castlevaniareihe, 2D
Mehr davon: Castlevania: Dawn of Sorrow (DS), Castlevania: Portrait of Ruin (DS), Castlevania - The Dracula X Chronicles (PSP)

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