Dead or Alive: Dimensions
Böse Klon-Firma mit Weltherrschaftsambitionen vs. Leichtbekleidete Ninjagirls und IMBA-Super Ninja Ryu Hayabusa – was in Japan durchaus auch als Inhalt für einen Hentaifilm herhalten könnte, ist der Dreh- und Angelpunkt von Tecmos Dead or Alive-Spielereihe. Nach Dead or Alive 4 (Xbox 360, 2006) war aber erstmal eine lange Funkstille angesagt, zumindest was Prügeleien angeht. Nach eher mäßigen weiteren Ausflügen der Heldinnen auf tropische Inseln zwecks Beachvolleyball-Turnieren in knappen Bikinis… ach was, vereinzelten Stofffetzen (Dead or Alive Xtreme 2 für Xbox 360 und Dead or Alive Paradise für PSP) wurde auf der E3 2010 endlich ein neuer Teil der Hauptreihe angekündigt.
Gedämpft wurde die Vorfreude vieler Fans durch die angestrebte Platform : 3DS, Nintendos neuer Handheld. Gut funktionierende Beat ‘em ups auf Handhelds sind allein wegen der Steuerung eher die Ausnahme als die Regel und in der Regel gab es vor allem Umsetzungen von Konsolenprüglern. Auch Dead or Alive: Dimensions sieht sich als „Best of“ mit einer Zusammenfassung der Story von Teil 1-4 und sämtlichen Charakteren der Reihe inklusive der Endbosse als spielbare Figuren.
Ready… Fight!
Das Kampfsystem von Dead or Alive: Dimensions entspricht im Großen und Ganzen dem der Vorgänger. In den 1on1-Kämpfen geht’s in alle Richtungen zur Sache. Jeder Charakter hat zahlreiche Schlag- und Trittattacken und eine Hand voll Würfe, die Kämpfe werden durch das Kontersystem erst richtig interessant. Wer statt zu blocken im richtigen Moment seinen Gegner wie ein offenes Buch liest, kann hohe, mittlere und tiefe Attacken kontern und durch den Konter zu mächtigen Gegenschlägen ausholen. Das Kontersystem wurde größtenteils aus Teil 4 übernommen, was bedeutet, dass man neben der Höhe auch die Art der Attacke – Tritt oder Schlag – vorhersehen muss. Das verhindert einfaches Dauerkontern. Eine weitere Eigenheit der Dead or Alive – Serie sind die Stages. Statt nur in einem festen Areal zu kämpfen, gibt es Hindernisse, Abgründe, Treppen, Fenster, Dächer – wenn man beispielsweise durch ein Fenster geschlagen wurde oder von einem Dach runtergefallen ist geht der Kampf an anderer Stelle weiter. Dadurch sind die Kämpfe dynamischer und wirken manchmal fast filmreif wie aus einem Eastern entnommen.
Der Hauptmodus von Dead or Alive: Dimensions ist nicht mehr der Arcademodus, sondern ein in Kapitel unterteilter Storymodus namens Chronicle. In jenem Storymodus fällt die Wahl des Charakters weg, storybedingt bekommt man für jeden Kampf einen Charakter gestellt. Wer endlich mehr über die Hintergründe von DOAtec wissen will, einer bösen Organisation, welche auf von Firmenoberbonzo Donovan organisierten Kampfturnieren Ninjas entführt, um mit ihren Supergenen ultimative Kampfmaschinen zu klonen, kommt hier auf seine Kosten. Die Geschichte umfasst die Teile 1-4 und bietet einige neue Hintergrundinfos und Cutscenes.
Allerdings gibt es einige Mängel am Storymodus : Die meisten Cutscenes sind in, immerhin ganz hübschen, 3D-Standbildern erzählt, die Story grenzt teilweise an puren Trash (was aber z.B. für meinen Geschmack schon wieder ein Pluspunkt ist) und der Schwerpunkt liegt sehr stark auf den Ninjas sind oder Leuten rund um DOAtec. Die zahlreichen weiteren Charaktere bleiben sehr im Hintergrund und die individuellen Storys werden lediglich angedeutet. Auch die Länge und der Schwierigkeitsgrad lassen ein bisschen zu wünschen übrig – immerhin gibt es zwischendrin viele Kampftipps und Erleuterungen zum Kampfsystem, weshalb der Modus als Tutorial ganz gut funktioniert.
More like Arcadia!
„Auf zum Arcademodus, ich will den Bounce meiner Non-Ninja-Lieblingskämpferin in 3D sehen!“ denkt sich manch einer jetzt wohl. Es gibt einen Arcademodus, bei dem man mit einem selbst gewählten Charakter mehrere Kämpfe besteht und je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad einen der Bosse verprügelt. Leider sind Reihenfolge der Opponenten, Schwierigkeitsgrad und Anzahl der Kämpfe in diesem Modus festgelegt, charaktereigene Endings gibt es auch nicht. Wer mehr Zufall und Herausforderung will, darf im Free Play-Modus alle Einstellungen so drehen, wie er will und endlos kämpfen. Leider lassen sich in jenem Modus nur spärlich Sammelfiguren freispielen – dazu später mehr.
Der Survivalmodus bietet 100 Kämpfe am Stück, wobei die ersten 60-70 Kämpfe von geringem Schwierigkeitsgrad sind. Am Sauersten dürften die Änderungen beim Tag-Modus aufstoßen. Statt die Kontrolle über zwei Charaktere zu übernehmen, muss man sich zusammen mit einem teilweise selten dämlich agierendem K.I.-Kumpel in Challenges gegen festgelegte Teams oder überstarke Bossgegner behaupten. Bis auf die letzen paar Kämpfe gilt aber auch hier Einsteigerfreundlichkeit durch für die Reihe und den Hersteller erstaunlich niedrigen Schwierigkeitsgrad.
Das Online-System des 3DS lässt immer noch ein bisschen zu wünschen übrig. Matchmaking-Optionen gibt es mangels Onlineservice seitens Nintendo so gut wie keine, lediglich die Weltregion lässt sich grob festlegen und Kampfangebote sind ablehnbar. Die Verbindung ist in den meisten Fällen eher mittelmäßig. Das Ranking-System bemüht sich, Spieler möglichst gegen gleichstarke Gegner antreten zu lassen, die Bestrafung für ein verlorenes Match kann aber teilweise viel zu hoch ausfallen – gerade, wenn die Verbindung wieder mal so schlecht war, dass man kaum Einfluss auf den Ausgang des Kampfes hatte. Interessante Ideen wie die Throwdown-Challenges, sprich per WiFi übertragene, auf Kampfstatistiken anderer Spieler basierende Ghost-Kämpfer, sind in der Praxis mangels Verbreitung von Gerät und Spiel zu selten.
Best of DD-Action
All die kleinen Details, die an den verschiedenen Modi stören, trüben das grundlegend gute Spiel, welches auch Glanzmomente hat. Die Charaktere spielen sich abwechslungsreich und haben viele unterschiedliche Stile dabei. La Mariposa verführt mit ihrem tänzerischen Freestyle-Wrestling Lucha Libre, Zack teilt mit Muay Thai ordentlich Tritte aus, Brad Wong macht einen auf Drunken Master, Christie schlägt schnell und tödlich mit Snake Fist zu, Jann Lee eifert mit Jeet Kune Do Bruce Lee nach – und dann gibt es noch zig Untervariationen von Ninjutsu. 26 Charaktere sind spielbar, so viele wie noch in keinem Dead or Alive zuvor. Neben aus den Konsolenvorgängern bekannten Stages wie Azuchi – einem japanischen Tempel – und Lorelei – einem edlem Schloss mit Vorgelände – aus DoA3 und Kyoto in Bloom aus DoA4 gibt es auch ein paar neue Szenarien wie den Luxusdampfer „Freedom Survivor“ oder der Geothermal Power Plant aus der Nintendo-Reihe Metroid, wo es ein Zusammentreffen mit einem alten Bekannten aus jener Reihe gibt. Im Free Play-Modus, lokalem Multiplayer und bei guter Verbindung auch online kommen oft spannende und spaßige Kämpfe zustande, bei denen es auf mehr als dumpfes Buttonmashing ankommt. Eine umstrittene Entscheidung, die manchmal die Balance stört, ist das Hinzufügen von Projektilangriffen bei einigen Bosscharakteren und Superninja Ryu Hayabusa. Distanz-Feuerbälle von ohnehin schon starken Charakteren sind in einem Nahkampf-konzentriertem Spiel wie Dead or Alive fehl am Platz.
Dead or Alive ist auch berühmt für die zahlreichen freispielbaren Outfits für die Kämpfer. Vor allem die Frauen wurden mit teilweise sehr exhibitionistischen Kostümen versehen. In Dimensions ist die Anzahl der freispielbaren Kostüme sehr gering: 1-3 Bonusoutfits pro Figur. Wer das Spiel frühzeitig gekauft hat, konnte mittels Internet knapp 30 zeitlich begrenzt erhältliche Bonus-Kostüme gratis runterladen – Ob und wie oft die 30 Kostüme erneut zum herunterladen bereit stehen werden, weiß nur Tecmo. Der “Sexy”-Faktor wurde ebenfalls runtergeschraubt, vermutlich, um in Amerike mit einem Teen-Rating eine größere Zielgruppe zu erreichen (viele der Vorgänger haben in den USA ein Mature-Rating erhalten). Neben einigen geheimen Charakteren sind hunderte Sammelfiguren freispielbar. Diese lassen sich in den Stages aufstellen und man darf aus verschiedensten Winkeln und Perspektiven Diorama-artige 3D-Fotos machen.
Das ist für ein paar Minuten lustig, aber mangels Übertragbarkeit der Bilder auf andere Geräte (wie etwa bei dem, ich nenns jetzt mal „Spannermodus“ in Dead or Alive: Paradise) noch sinnloser, als es ohnehin schon klingt. Die meisten Sammelfiguren kann man durch Throwdown-Challenges, Arcademodus und Survival freispielen – der spaßigste Spielmodus Free Play hingegen bringt leider nur vereinzelt eine Spielfigur. Die Langzeitmotivation des Spiels hängt dank des geringem Schwierigkeitsgrad und der Mängel innerhalb Spielmodi davon ab, ob man menschliche Mitspieler hat oder nicht. Wenn ja, ist Dead or Alive: Dimensions ein sehr gutes Prügelspiel, dass aber nicht ganz mit den Vorgängern mithalten kann.
3D Bouncing
Optisch gehört Dead or Alive: Dimensions zu den bisher besten 3DS-Titeln. Detaillierte Charaktermodelle, geschmeidige Animationen und schicke, mit viel Liebe zum Detail gestaltete Hintergründe werden geboten. Zwar wird das Niveau der Xbox-Teile nicht erreicht, aber der schöne Stil und die sympathischen Charakterdesigns kommen dennoch gut zur Geltung. Und ja, die Brüste wackeln wieder übertrieben und Pantyshots gibt es in Dauerschleife. Neu sind Effekte bei Treffern, die dem Spieler einen Hinweis auf die Höhe der Attacke geben. Ob einem das zuviel Effekthascherei während eines elegantem Kampfes ist, bleibt Geschmackssache.
Der 3D-Effekt ist äußerst gelungen und nicht übermäßig aufdringlich, man zahlt allerdings bei eingeschaltetem 3D den Preis in Framerate. Während das Spiel in 2D eine selten-schöne butterweiche Framerate bietet, merkt man in 3D einen deutlichen Unterschied. Es bleibt zwar ruckelfrei, aber die Framerate ist deutlich geringer. Sprachausgabe liegt sowohl in Japanisch als auch in Englisch vor, der Soundtrack besteht größtenteils aus Remixes alter Songs, bietet gewohnte Ohrwürmer und spricht nostalgische Gefühle an. Allerdings klangen die meisten Songs in ihren Originalversionen irgendwie besser.
Return of Age 99
Dead or Alive: Dimensions bleibt hinter meinen Erwartungen zurück, ist aber dennoch eines der bisher besten 3DS-Titel. Die Modi des Spiels lassen etwas zu wünschen übrig, die furiosen und abwechslungsreichen Kämpfe machen dennoch Spaß. Trotz der bisher höchsten Anzahl an spielbaren Charakteren bieten andere Teile der Serie mehr Langzeitmotivation. Fans schneller 3D-Prügler und sexy Ninja-Girls sowie Dead or Alive-Neueinsteiger kommen dennoch auf ihre Kosten und sollten sich das Spiel nicht entgehen lassen.
Hersteller:
Genre: Fighting
Spieler: 1-2
Online: ja
Sprache: jp./engl. DUB/dt. SUB
Version: PAL
Release: 20.5.2011
Für Fans von: Dead or Alive, Bouncing Boobies, schnelle Kämpfe
Mehr davon: Dead or Alive-Reihe (PSone, Saturn, Dreamcast, PS2, Xbox, Xbox360)
"Wie man sich als weiblicher Superninja verkleidet, um noch verstörender zu wirken, wenn man in die Stadt fährt, um jetzt sofort Dead or Alive: Dimensions zu kaufen. 5-Schritt-Anleitung."
























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