Metal Gear Solid: Portable Ops

Posted on by CrazyArcadia

Metal Gear Solid ist lange Zeit eine der wichtigsten Reihen für Sony-Platformen gewesen. So verwundert es nicht, dass Konami und Kojima Productions Snake auch auf der PSP auf Schleichmissionen schicken. Während die ersten beiden Ausflüge auf das Handheld noch gelungene rundenbasierte Strategiespiele waren, schien mit Portable Ops endlich das von Fans erwartete klassische Schleich-Gameplay Einzug ins moderne Portable Gaming gefunden zu haben. Doch so ganz klassisch ist Portable Ops dann doch nicht. Mit Schwerpunkten auf Multiplayer, mehreren spielbaren Charakteren und kurzen Missionen anstelle einer zusammenhängenden Welt wirbelt Portable Ops die Metal Gear-Welt auf.

Calling To The Night – Die Story & Rolle von Portable Ops innerhalb der Serie

Portable Ops ist innerhalb des MGS-Zeitstrahls ein direkter Nachfolger zu Metal Gear Solid 3: Snake Eater (2004). Es setzt 6 Jahre nach den Handlungen von Snake Eater ein. Naked Snake verfolgt seine ehemalige Einheit, FOX, welche nach ihrem Verrat in ehemaligen Soviet Stützpunkten innerhalb Columbiens agiert. Doch wer ist der Drahtzieher und was für Ziele werden verfolgt? Wie für die Reihe üblich gibt es viele Wendungen und Verrat, außerdem lernen Langzeitfans der Serie Hintergründe zu späteren Hauptcharakteren wie Roy Campbell, Frank Jaeger sowie diversen im Hintergrund agierenden Organisationen kennen. Leider lässt die Story insgesamt die Epik und Bedeutsamkeit der anderen Teile vermissen und fühlt sich gelegentlich wie eine, immerhin für Fans interessante, Nebenhandlung an.
Die Story wird im Gegensatz zu den Vorgängern nicht mehr durch Zwischensequenzen in Spielgrafik erzählt, sondern im Graphic-Novel Stil. Die Zeichnungen stammen hierbei aus der Feder des australischen Illustrators Ashley Wood, welcher die Geschehnisse mit einem rauen, ausdrucksstarken Stil visualisiert. Während diese Sequenzen mit Sprachausgabe unterlegt sind, bleibt das Spiel während der Codecgespräche leider stumm.

Fighting for what’s right – aber nicht mehr allein!

Solid Snake ist wieder auf Schleichmissionen unterwegs, er ist aber nicht mehr allein. Im Gegensatz zu den Vorgängern kann man aus andere Charaktere rekrutieren. Vom einfachen Fußsoldat über Ärzte, Spione und Techniker bis hin zu Hauptcharakteren (auch aus anderen Teilen der Reihe) und Gegnern kann man fast alles und jeden in sein Team aufnehmen. Sämtliche Figuren sind auch spielbar und unterstützen Snake mit unterschiedlichsten Fähigkeiten. Meistens wird man allerdings eher Snake oder einen der anderen storyrelevanten Charaktere spielen, da diese bessere Statuswerte haben.
Die Charaktere werden innerhalb der kurzen Missionen rekrutiert. Das Rekrutieren erfolgt durch Betäuben via Anästhetika oder das gute alte “Faust in die Fresse”, anschließend müssen die zukünftigen Mitstreiter noch irgendwie zum Startpunkt der aktuellen Mission transportiert werden, wo Roy Campbell und der treue Truck bereit stehen. Während man zu Beginn des Spiels die Betäubten mühselig zum Truck tragen muss, kann man dies später auch durch Mitstreiter erledigen lassen, was die recht monotone und Geduld erfordernde Aufgabe enorm erleichtert.

Abgesehen davon spielen sich die Missionen kurz und knackig. In der Regel gilt es, ein Gebiet (sovietisches Atomsprenglager, Gefängnis, besetzte Stadt etc.) zu infiltrieren, möglichst wenig Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und Objekt X, Person Y oder Information Z zu ermitteln. Dies nimmt meistens nur wenige Minuten in Anspruch und passt somit ideal für kurze Einsätze während einer Busfahrt oder Pausen. Snake und Co. stehen hierbei zahlreiche technische Gadgets zur Verfügung. Der Sonar zeigt beispielsweise an, aus welcher Richtung Geräusche ertönen -ergo : wo sind die Soldaten, denen man aus dem Weg gehten sollte – und wie laut man selber ist. Nachtsichtgeräte, diverse Waffen und Ablenkmanöver wie aufziehbare Puppen müssen teilweise jedoch erst mit Hilfe von rekrutierten Wissenschaftlern entwickelt werden (oder auf Missionen gefunden).
Die Gegner verhalten sich eher dümmlich, was insbesondere nach Metal Gear Solid 3 ein Schritt zurück ist. Hat man erstmal Alarm ausgelöst, gilt es, sich zu verstecken – im direkten Kampf gegen eine Übermacht ist Snake unterlegen und die Steuerung etwas zu steif.

Die Steuerung ist leider einer der Schwachpunkte des Spiels. Ein leicht ungelenkes Zielsystem sowie eine unintuitive Laufsteuerung erschweren den Einstieg, sind aber auf Dauer vorallem Gewohnheitssache. In Spielen wie Syphon Filter wurden die Probleme der PSP, was Steuerung von 3D-Actionspielen angeht (nur auf einer Seite Analogstick/Steuerkreuz) wesentlich eleganter gelöst. Insbesondere die Bosskämpfe leiden darunter, zumal diese leider nicht so originell und spannend ausgefallen sind, wie in anderen Teilen der Serie.

Für Langzeitmotivation sorgen neben den freispielbaren Bonuscharakteren die Möglichkeit, das Spiel mit seinem gesamten Team erneut durchzuspielen. Außerdem bietet das Spiel einen umfangreichen Multiplayer-Modus, der auf den MP-Funktionen von Metal Gear Solid 3: Subsistence basiert. Hierzu können von meiner Seite aus leider keine Erfahrungsberichte genannt werden.

Peinlich berührt auf der Suche nach Kontakten

22:34 – Freitag Abend. Während alle anderen Menschen auf Parties sind oder mit fantastischem Freitag-Abend-TVProgramm das Wochenende einläuten, schleicht sich eine mysteriöse Figur mit einem piepsenden und leuchtenden Gerät durch die Nachbarschaft. Klettert über Zäune. Läuft nah an Häuser ran. Wechselt peinlich berührt die Straßenseite, wenn vereinzelte Passanten entgegen laufen oder Leute misstrauisch von Balkonen herabschauen. Ein Geologe, der Daten sammelt? Ein Hacker, der versucht, WLAN-Netze zu knacken? Ein verrückter Spinner, der einen auf Science Fiction-Freak macht?

Alles davon… irgendwie. Portable Ops bietet eine Möglichkeit, durch das Finden von WLan-Netzwerken neue Rekruten frei zu schalten, welche es im normalen Spiel teilweise so nicht gibt. Also lohnt es sich, die PSP auch unterwegs dabei zu haben – und sich den irritierten Blicken seiner Mitmenschen auszusetzen. Das Spiel selber warnt, man solle sich nicht in Gefahr begeben oder Sperrgebiet betreten. Aber what a thrill… With darkness and silence through the night… what a thri-i-ill… I’m seaching and i’ll melt into you…

Technische Ausrüstung

Metal Gear Solid gehört zu seiner Zeit zu den bestausehenden Titeln für die PSP und sieht selbst heute noch gut aus. Während die Charaktermodelle mit vielen Details zu gefallen wissen, wirken einige Umgebungstexturen etwas matschig und die Gesamtfarbgebung im Vergleich zu den Vorgängern etwas einfallslos. Braun-Grau-Grün wirken zwar passend, aber mangels Abwechslung, was Missionsumgebungen angeht, sieht man sich schnell satt. Der Gesamteindruck ist dennoch stimmig, kann aber nicht mit der hochpolierten Stilistik der Konsolenteile konkurrieren. Die Cutscenes sind, wie bereits geschrieben, großartig.
Die Musik wirkt stimmig und baut Atmosphäre auf. Orchestral wie man es von der Serie gewöhnt ist werden Ohren auf höchstem Niveau verwöhnt – auch wenn unverkennbare Ohrwürmer wie in einigen der Vorgänger fehlen.



Obschon die Sprachausgabe hochwertig ist, sind leider nur Zwischensequenzen vertont. Codec-Gespräche und Mission-Briefings bleiben stumm.

CrazyArcadia – Fazit

Portable Ops ist kurzweilig, wirkt aber etwas zu sehr wie ein Miniszenario. Auch die Steuerung lässt zu wünschen übrig. Dafür hat man massig Gebiete zum Erkunden, eine dichte Atmosphäre, eine ordentliche Technik und das neue Rekruten-System ist interessant, inklusive viel Fanservice für Fans der Vorgänger. Für eine Runde Metal Gear Solid unterwegs oder auf dem Sofa ist das Spiel nicht verkehrt, und dank der Kürze der Missionen auch an die PSP angepasst. Insgesamt bevorzuge ich aber die Playstation- und Playstation 2-Titel der Reihe. Dennoch kann man das Spiel Metal Gear Solid- und Taktikactionfans empfehlen.

Hersteller:

Genre: Tactical Espionage Action

Spieler: 1-6 (wireless multiplayer)

Online: Onlinefunktionen

Sprache: Engl. Dub, Dt. Sub

Version: PAL

Release: 25.5.07

Für Fans von: Metal Gear Solid, Multiplayer, creepy um Häuser herum streifen

Mehr davon: Metal Gear Solid: Peace Walker (PSP), Metal Gear Solid 3 (PS2)

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