Sonic & All-Stars Racing Transformed

Posted on by CrazyArcadia


Sonic & Sega All-Stars Racing ist mehr als nur ein astreiner Mario Kart-Klon, entwickelt von Sumo Digital – einem britischen Studio, das für Renn- und Sportspiele aller Art wie geschaffen scheint. Ehemalige Mitglieder von Gremlin Interactive (Lotus-Serie, Premier Manager), Black Rock Studio (MotoGP-Reihe, Pure, Split/Second) und Bizarre Creations (Metropolis Street Racer, Project Gotham Racing, Blur, Fur Fighters) lassen Genrefans erahnen: Hier werkeln Profis, was Arcade-Rennspiele angeht.
SEGA nutze Sumo Digital’s Talent zuvor in erster Linie für Konsolen-Umsetzungen eigener Arcadespiele wie Outrun und Virtua Tennis, lies sie dann aber auf die SEGA Superstars-Reihe los. Sega Superstars Tennis und Sonic & All-Stars Racing sind im Prinzip Virtua Tennis und Mario Kart mit Charakteren aus dem SEGA-Universum und alle beide ihren Vorbildern mehr als ebenbürtig.

Mit Sonic & All-Stars Racing Transformed (kurz: Sonic Transformed) steht nun eine Fortsetzung zu „Super Sonic Kart“ an – mit der Neuerung, dass es nicht mehr nur auf Asphalt oder ähnlichen befahrbaren Bodenbelägen zur Sache geht, sondern auch zu Wasser und in der Luft. Und das durcheinander innerhalb der selben Strecken, inklusive an Transformers erinnernde Verwandlungen der Vehikel.
Dieses interessante Feature, welches konsequenter umgesetzt wurde als die vergleichsweise flügellahmen Segelflug- und Unterwasserfahrt Abschnitte in Mario Kart 7, gepaart mit einer komplexen und spaßigen Drift-und Tricksmechanik und nahezu genialem Streckenlayout lassen Sonic und Co. im 2. Anlauf spielerisch an Nintendo’s mittlerweile leicht angestaubten Mario Kart-Reihe vorbei düsen. Aber beide Titel haben ihre Stärken und Schwächen – und ihre eigene Zielgruppe…

 SEGA Klassentreffen

Bei einem Funracer mit Crossover-Flair spielt natürlich die Wahl der Charaktere und Welten eine große Rolle. Bei der Charakterauswahl findet Sonic Transformed eine gute Balance mit Figuren aus SEGA’s Retro-Wühltisch (u.a. Alex Kidd, Joe Musashi aus Shinobi, Gilius Thunderhead aus Golden Axe, Nights), den Dreamcast Allstars (u.a. Beat und Gum aus Jet Set Radio, Vyse aus Skies of Arcadia, B.D. Joe aus Crazy Taxi, Ulala aus Space Channel 5), populären Figuren aus den Sonic und Super Monkey Ball Universen so wie aktuellen und teilweise platform-exklusiven Cash-in Charakteren wie Wreck-it Ralph, Nintendo Miis, Xbox Avataren, Team Fortress-Figuren und… NASCAR-Rennfahrerin Danica Patrick? Danica Patrick ist ein SEGA Charakter? NASCAR ist garnicht echt?

im Bild: Danica Patrick, © SEGA 1982 (Wikimedia Commons)

Auch die Fahrstrecken schaffen das Spagat aus SEGA Mainstream und SEGA Nischenfanservice: Strecken aus dem Sonic-Universum, Jet Set Radio’s Tokyo-to, Skies of Arcadia’s himmlischer Fantasywelt, Panzer Dragoon’s Moebius-inspierierter Architektur, Burning Ranger’s dramatischer SciFi-Welt, Shinobi’s Ninjaparadies, Samba de Amigo’s Sambapartywelt, Golden Axe’s spannungsgeladenem Vulkan und einige mehr sorgen für Abwechslung und viele interessante Streckenfeatures. Features ist überhaupt ein gutes Stichwort: Sonic Transformed ist voll davon.

 

Durch die drei verschiedenen Fahrzeugmodi hat man sowohl was Gameplay-Mechanik als auch Streckendesign anbelangt jede Menge verschiedene Inhalte. Alle Fahrzeuge haben eine klassische Driftmechanik für Kurven, welche in mehreren Stufen für einen Geschwindigkeitsboost sorgen und Tricks für Sprünge. Die Wasserfahrzeuge steuern sich deutlich anders – Wave Race lässt grüßen – und Flieger bieten für halsbrecherische Haudegen, die in nächster Umgebung von Hindernissen noch Tricks machen, Geschwindigkeitsboosts. Im Kart ist das Geschwindigkeitsgefühl am stärksten, aber Flugzeuge sind schneller. Da die Strecken oftmals Abzweigungen bieten, welche sich in der Fahrzeugwahl unterscheiden, kann man sich entscheiden: Welches Fahrzeug liegt mir mehr?


Die Charaktere unterscheiden sich in ihren Fahreigenschaften in Standardkriterien wie Höchstgeschwindigkeit, Boost, Anfahrtsgeschwindigkeit oder Manövrierfähigkeit. Auch dies ist via sogenannten Mods anpassbar. Ein Balanced-Mod beispielsweise macht aus dem Fahrer der Wahl einen Hans-Dampf in allen Gassen, der Speed-Mod dreht die Maximalgeschwindigkeit hoch – auf Kosten der Manövrierfähigkeit. Diese Mods wollen allerdings erstmal für jeden Charakter durch häufige Nutzung und dadurch gewonnene Erfahrungspunkte freigespielt werden.

Spielen kann man in verschiedensten Modi. Neben klassischen Grand Prix und Time Attack-Modi wartet ein umfangreicher World Tour-Modus auf spielerische Eroberung. Hier bewegt man sich auf einem Karten-Grid in mehreren Welten und stellt sich jeder Menge Herausforderungen, um neue Spielfiguren, Mods und andere Boni freizuspielen. Neben Einzelrennen gibt es Traffic Attacks, bei denen man Autos auf der Fahrstrecke ausweichen muss, Drift Attacks, welche perfektes Driften auf festgelegten Kurven verlangt, Ring Gedöns, mit einem Flugzeug durch knifflige Passagen fliegen und Ringe durchqueren und einige mehr.
Das ganze unterteilt sich auf 4 verschiedene Schwierigkeitsgrade, und nur wenn man alle meistert, kann man sämtliche Bonusfiguren und Spezialmods freispielen. Meistern muss man sie auch wirklich, denn die beiden höchsten Schwierigkeitsgrade haben es so richtig in sich. Genaue Streckenkenntnis und perfekte Beherrschung der Fahrzeuge sind Voraussetzung. Dank der guten Lernkurve ist aber schlussendlich jede Herausforderung möglich, sofern man sich auf das Spiel einlässt und akzeptiert, dass einem hier nicht alles auf einem goldenen Teller präsentiert wird. Das belohnende Gefühl, sich in einem Spiel mit Konzentration auf Levelgestaltung und Spielmechanik im Laufe der Zeit weiter zu verbessern, bieten leider immer weniger Spiele aufgrund des aktuell weit verbreiteten Entwicklermantras „Herausforderungen sind böse“. Die unteren Schwierigkeitsgrade bieten aber auch Einsteigern die Möglichkeit auf einen ersten Platz.

 

Eine große Motivation im Spiel sind die 16 vorhandenen Strecken. Basierend auf verschiedenen SEGA-Franchises bietet fast jede Strecke Abschnitte in verschiedenen Fahrzeugmodi. Ein Wechsel der Fahrzeugmodi kann Teil des Streckenlayouts sein – zum Beispiel geht es in der Carrier Zone aus After Burner teilweise auf den Flugzeugträgern im Kart zur Sache, zwischendrin dann zu Wasser und in der Luft. In Seasonal Shrines aus Shinobi fährt man durch ein traditionelles japanisches Tempeldorf, landet aber in einer Höhle plötzlich in einem Fluß.
Noch spannender sind die Strecken, die sich jede Runde ändern, weil sie auch noch zu einem spezifischen Zeitpunkt innerhalb der Story der Spiele, aus denen sie entliehen sind, abspielen. Rogues’ Landing aus Skies of Arcadia, ein Dorf der Luftpiraten, das auf fliegenden Inseln erbaut ist, wird gerade vom Imperium angegriffen. In der letzen Runde sind Großteile der Strecke zerstört und man ist nur noch im Flugzeug unterwegs mit fast komplett neuem Levellayout. Dieselbe Art der teilweisen Zerstörung einer Strecke erwartet einen in Burning Depths aus Burning Rangers, wo durch einen Terroranschlag Wasser in die Unterwasser-Station eindringt und man zuletzt fast nur noch im Boot voran kommt.

Dieses interaktive Element sorgt dafür, dass man sich in jeder Strecke immer wieder auf neue Situationen einstellen muss. Außerdem ist es deutlich fordernder, da man innerhalb einer Strecke möglicherweise bis zu 3 teilweise unterschiedliche Layouts lernen kann. Dadurch, dass alle Strecken coole Elemente aus den entsprechenden Spielen bieten, ist der Fanservice-Faktor natürlich auch ziemlich hoch für SEGA-Kenner. Jede Strecke bietet zudem Abzweigungen und zahlreiche Gelegenheiten für Tricks, was diese auch für fortgeschrittene Fahrer und Time-Trial Fans interessant macht. Lediglich in den Flugsequenzen verfliegt man sich gerne mal in eine falsche Ecke, wenn man die Strecke noch nicht kennt.

Wie beim Vorbild Mario Kart gibt es jede Menge Objekte, welche für den eigenen Vorteil oder den Nachteil der Gegner einsetzbar sind. Zielsuchraketen sind ziemlich selbsterklärend, ebenso der Boost. Mit Eis lassen sich Gegner etwas verlangsamen, der Hot Rod macht einen kurzzeitig schneller, explodiert aber nach einer kurzen Weile – außer, man sprengt ihn manuell, dann trifft die Explosion nur Gegner in unmittelbarer Nähe. Mit einem riesigen Baseballhandschuh fängt man Attacken der Gegner ein und der Hornissenschwarm fliegt direkt zum Fahrer auf Platz 1 und stellt diesem und seinen Verfolgern stachelige Hindernisse in den Weg.
Das beste daran ist: Es gibt keinen blauen Panzer. Das so gut wie unausweichliche Hassobjekt aller Mario Kart-Spieler, welches die Spiel-Balance schmerzhaft beeinflusst (es trifft den ersten Spieler – egal was. Es gibt zwar ein paar wenige Kniffe, ihm zu entgehen, aber die Chance ist gering) würde sich, wenn es in Sonic Transformed existent wäre, vermutlich umgehen lassen. Denn mit den richtigen Stunts und Moves zur rechten Zeit lässt sich fast jede Attacke auf irgendeine Weise in letzter Sekunde umgehen. Dazu braucht es Geschicklichkeit und manchmal etwas Glück, aber man fühlt sich im Gegensatz zu neueren Mario Kart-Teilen selten für gutes Fahren bestraft. Überhaupt fährt die KI in Sonic Transformed zwar fordernd, aber fair. Die oft gerügte Schlauch-KI ist hier bei weitem nicht so auffällig (Anmerkung: Schlauch-KI heißt, wenn man auf dem letzen Platz ist, fahren alle vorderen Fahrer langsamer – und umgekehrt wenn man auf Platz 1 ist schneller).

 

Der spaßigste Part eines Funracer ist der Multiplayer. Auch hier kann Sonic Transformed auftrumpfen. Neben 4-Spieler Splitscreen bietet das Spiel selbstverständlich einen komplexen Online-Part mit bis zu 10 Spielern. Zudem kann jederzeit, egal in welchem Modus, ein weiterer Spieler in das Spiel einsteigen. Gerade am World Tour Modus wenn plötzlich Freunde vor der Tür stehen? Direkt mit dazu, gemeinsam Herausforderungen meistern! Der Onlinemodus ist ebenfalls erste Sahne und lässt keine Wünsche offen, was Matchmaking und Performance angeht.

Leider hat das Spiel ein kleines, aber nerviges Manko: Bugs. Sie sind nicht häufig und hier @ CA-Headquarters in 30 Stunden Spielzeit gerade mal 5 mal aufgetreten, aber sehr unschön: Beim Fahrzeugwechsel wird selten mal nicht korrekt gewechselt, was zu sofortiger Unspielbarkeit führt und gelegentliche Abstürze haben den Spielspaß ab und an getrübt. Auch die Steuerung auf dem Wasser reagiert bei Sprüngen manchmal etwas sehr ungenau, was man vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden und höherer Geschwindigkeit merkt. Da aber noch immer Patches kommen, sind diese Probleme womöglich nicht für die Ewigkeit.

Optisch ist das Spiel sehr schön gestaltet. Ob schöne Feuer- und Lavagewitter wie in Adder’s Lair, einstürzende Altbauten in Sanctuary Falls oder psychadelische Vektorwelten in Race of Ages, einer Stage die Arcadeklassikern aus den 80ern gewidmet ist – Abwechslung ist geboten, alle Welten wirken unterschiedlich und authentisch. Lichteffekte, bewegte Hintergrundobjekte und Partikel sorgen teilweise für eine Reizüberflutung an Farben und Action.
Während das Spiel auf PS3 und 360 in stabilen, sauberen 30FPS läuft, trumpfen die PC- und Mac Fassungen mit höherer Schärfe und noch flüssigerer Framerate. Lediglich die Charaktermodelle einiger menschlicher Figuren wirken etwas unpassend. Dafür sind die Vehikel allesamt individuell gestaltet und bringen den Charakter der verschiedenen Figuren gut zur Geltung. Die Vita-Version ist optisch schwächer, aber spielerisch identisch mit den Konsolenbrüdern. Das trifft auf die 3DS-Fassung leider nicht zu: Obwohl diese von Grund auf neu für Nintendo’s 3D-Handheld erstellt wurde, ist diese optisch mehr als unbefriedigend – auch im Vergleich mit Mario Kart 7 – und leidet unter Rucklern und schlechter Performance.


Die 3DS-Version von Sonic & All-Stars Racing Transformed

Der Soundtrack besteht größtenteils aus Remixes bekannter SEGA Melodien. Richard Jacques, der SEGA Fans bereits aus einzelnen Tracks für die Jet Set Radio-Reihe, Metropolis Street Racer, Outrun 2 und den Soundtrack für neuere Sonic-Spiele und Headhunter bekannt sein sollte, zeigt hier sein volles Potential. Orchestral, Funky, Retro, Techno, Pop – Richard Jacques ist der Mann für Alles. Schade, dass hier in der Abmischung zwischen Soundeffekten und Musik erst manuell nachkonfiguriert werden muss, damit nicht beide ineinander untergehen. Die Motoren- und Charaktersounds sind ebenfalls hörenswert.

Abgesehen von vereinzelten Bugs ist Sonic Transformed ein wahrer Renner. Inhalte bis zum Abwinken, das beste Streckendesign im Funracer-Genre und eine komplexe, gute Spielmechanik versetzen Mario Kart auf den zweiten Platz. Damit soll nicht gesagt sein, dass Mario Kart unbedingt schlechter ist: Als Einsteiger- oder Partyspiel sind die neuen Mario Kart-Teile wegen geringerem Schwierigkeitsgrad besser geeignet. Wer zudem jemals intensiver in Mario Kart auf Zeit gefahren ist, wird bestätigen können, dass Nintendo’s klassische Reihe ebenfalls einiges an Komplexität unter der Haube hat.
Für erfahrene Funracer und SEGA-Fans führt jedoch kein Weg an Sonic Transformed vorbei – hier stecken einfach mehr frische Ideen, interessantere Strecken und mehr Herausforderungen drin, als im aktuellen Mario Kart 7.

Beschriebene Spielinhalte sowie sämtliche Grafiken, Screenshots, Video- und Sounddateien sind sofern nicht anders angegeben © SEGA
Sonic & All-Stars © SEGA/Crypton

Hersteller: SEGA/Sumo Digital

Genre: Funracer

Spieler: 1-4 (splitscreen) /1-10 (online)

Online: ja

Sprache: Engl.Dub, Dt.Sub

Version: PAL

Release: 18.11.2012

Für Fans von: Funracer, Sega-Videospiele

Mehr davon: Sonic & Allstars Racing (iOS, PC, PS3, Wii, Xbox 360)

danicapatrick_2

Ob das nächste Danica Patrick-Spiel ein Hack n'Slay, RPG oder ein kartenbasiertes Strategiespiel, das von Wonderbook gebrauch macht, wird, stand zum Zeitpunkt des Artikels nicht fest.

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