Ys: The Oath in Felghana

Posted on by CrazyArcadia

Schnelle RPG-Action mit spürbarem Arcade-Einfluss – dafür steht seit 1987 die in Japan sehr populäre Spielereihe Ys von Herstellerurgestein Nihon Falcom. In der Vogelperspektive rennt Held Adol durch Fantasylandschaften und finstere Dungeons, meuchelt im Rekordtempo Monster und andere finstere Zeitgenossen, scheffelt Reichtümer sowie Erfahrungspunkte und kümmert sich hier und da auch um das Wohlbefinden der Bewohner umliegender Dörfer. Der einzige Teil der Ys-Reihe, welcher nicht ganz dieser Tradition folgt, ist Ys III: Wanderers from Ys. Hier durfte Adol seine Abenteuer aus einer seitlichen Perspektive erleben, was vielen Fans nicht so gut gefallen hat. Mit Ys: The Oath in Felghana lieferte Nihon Falcom 2005 ein Remake von Ys III für Windows PCs ab, basierend auf der Engine von Ys VI, welche Adol wieder in die Vogelperspektive versetzt und unter anderem zum Springen so wie ein paar besonderen Attacken befähigt. Wie viele andere Spiele des Herstellers schaffte es Ys: The Oath in Felghana 2010 auch auf Sony’s PSP und dank XSeed sogar in den Westen.

 

3 Jahre sind seit den Abenteuern in Ys I & II vergangen: Adol und Dogi sind seither auf einer Abenteuerreise. Diese führt sie nun in Dogis Heimat, Felghana. Aber dunkle Vorzeichen in Form der Vorhersage einer Wahrsagerin lassen darauf schließen, dass es nicht nur Kaffeekranz mit Kuchen geben wird. Und tatsächlich, Dogi muss erfahren, dass sein ehemals bester Freund Chester verschwunden ist und der König und die Truppen von Valestein Castle die Bewohner von Dogis Heimatdorf Redmont bedrohen. Adol geht der Sache auf den Grund und findet viel über Felghanas düstere Vergangenheit und die wahren Motive des Monarchen heraus… Die Story von Ys: The Oath in Felghana ist das schwächste Element des Spiels. Während manche Charaktere wie Elena, die Schwester von Chester, ganz süß sind und andere ab und zu Mal überraschend ihre Meinung ändern und Plottwists herbei führen, bleibt die eigentliche Handlung platt und vorhersehbar. Das stört aber wenig bei einem Retro-Spiel wie Ys, ganz im Gegenteil: die Handlung steht dem Gameplay nicht im Weg und nach dem Intro geht’s schon recht fix ins Kampfgetümmel.

 

The Boy Who Had Wings

Fix ist nicht übertrieben: Adol ist verdammt schnell zu Fuß unterwegs, Gegner fallen nach wenigen Schlägen im Sekundentakt und das Tempo ist angenehm hoch. Die Ys VI Engine ermöglicht Adol auch Springen und weitere Attacken, außerdem lernt man im Laufe des Spiels eine Hand voll Zauber und weiterer Fähigkeiten. Spätere Gegner erhöhen den Anspruch an die Auswahl der Angriffstaktik allerdings, insbesondere in den Bosskämpfen, bei denen man auch die oftmals recht komplexen Angriffsmuster des Herausforderers durchschauen muss. Dank einem cleveren Combosystem, welches durch von Gegnern fallen gelassene Energie aufrecht erhalten wird, kann man, wenn man das Tempo beibehält, temporäre Boni für diverse Charakterwerte und höhere Erfahrungspunkte für erledigte Gegner abstauben. Während die Oberwelt recht übersichtlich und klar aufgebaut ist, sind die Dungeons kleine Labyrinthe mit einigen Geheimnissen, die man erst mit später erlernten Fähigkeiten lüften kann. Sei es eine Raval-Erz Miene, eine verlassene Ruine, unterirdische Lavahöhlen, Gletscher oder monsterverseuchte Schlösser, Adol kommt gut herum (trotz der eigentlich geringen Anzahl an Orten). So verworren wie in den Abschlussdungeons aus Ys I&II geht es aber zu keiner Zeit zu. Gerade wegen der Geschwindigkeit macht Ys als ActionRPG für zwischendurch jede Menge Laune, und auch wenn es nicht sonderlich tiefgründig ist wird man schnell süchtig.

 

 

Wenn man sich Ys als Arcade-Rollenspiel vorstellt, liegt man nicht weit von der Wahrheit. Statt hunderter Objekte und Ausrüstungsgegenständen ist Adols Auswahl recht begrenzt und die Reihenfolge, in der man die Objekte findet, durch den linearen Aufbau des Spiels vorgegeben. Immerhin darf man Schwerter, Schilder und Rüstung beim Schmied im Tausch gegen Raval-Erz und Gold aufrüsten lassen. Während man im ersten Spieldurchgang diese Aufrüstung nur begrenzt durchführen kann, bestehen bei weiteren Durchgängen mehr Möglichkeiten zur Verbesserung der Ausrüstung. Außerdem kann man mit dem Finden gut versteckter magischer Schmuckstücke Adols Magiefähigkeiten verbessern.

Sealed Time

Die Länge des Spiels liegt beim ersten Durchspielen bei 10-15 Stunden, spätere Durchläufe bekommt man aber auch in weitaus weniger Zeit hin. Weiteres Durchspielen schaltet neue Bilder in der Gallery sowie weitere Schwierigkeitsgrade und einen Boss-Rush Modus frei. Auf höheren Schwierigkeitsgraden wird das Spiel schnell anspruchsvoller, aber man kann sich ein paar Faktoren wie Reichtum, bestimmte Fähigkeiten oder Erfahrungsstufen aussuchen und ins nächste Spiel übernehmen. Die Menüführung ist dank der überschaubaren Anzahl an Items sehr einfach und intuitiv, vergleichbar zu der Bedienung der 2D-Zelda-Spiele; wer lange Tabellen vergleichen und Charakterwerte ausknobeln will ist hier an der falschen Adresse.

 

Grafisch ist Ys: The Oath in Felghana eher bieder, aber nicht hässlich. Sauber animierte vorgerenderte 2D-Figuren und Monster bewegen sich vor 3D-Kulissen, die Action bleibt immer ruckelfrei und ohne Bugs (wenn man von den käferartigen Gegnern mal absieht). Jedes Gebiet hat seine eigene Farbstimmung und neue Monster, für Abwechslung ist also gesorgt. Die Charakterdesigns sind teilweise ganz schick, die Designs der Endbosse sind besonders cool gelungen. Natürlich sind viele der Designs ähnlich wie die Story sehr klischeehaft, aber wer auf saubere Fantasy-Animeoptik steht wird dennoch gut bedient. Ohne Abstriche gelungen ist allerdings der Soundtrack. Die schnellen, treibenden Melodien unterstreichen das Spielgefühl perfekt und bleiben oft als Ohrwürmer im Gehörgang hängen. Wie bei Nihon Falcom üblich ist der Soundtrack technisch astrein und liegt in Ys: The Oath in Felghana sowohl in einer modernen Remix-Fassung von Yukihiro Jindo als auch für Retrofans in den Versionen der klassischen Systeme X68000 und PC Engine vor, auf denen das Spiel als Ys III: Wanderers from Ys erschienen war. Einige wichtige Schlüsselszenen der Story sind mit Sprachausgabe unterlegt, die ganz brauchbar ist aber nicht besonders mitreißend und auch optional abschaltbar. Der Rest des Spiels ist genretypisch mit Textboxen erzählt.

Beat of Destruction

Ys: The Oath in Felghana ist ein kurzweiliges und gut spielbares ActionRPG. Häufigeres Durchspielen macht immer noch Laune und der Soundtrack ist allererste Sahne. Ob man die Klischees der Story und des Animestils als störend empfindet, oder das Spiel gerade deswegen als angenehm Retro und entspannend wahrnimmt, ist Geschmackssache. Für Fans des Genres ist das Spiel aber absolut empfehlenswert und für alle, die mal in die Ys-Serie reinschnuppern wollen. ein hervorragender Startpunkt. Während das Spiel bei uns nur als Downloadtitel erhältlich ist, hat Xseed in Amerika sowohl eine reguläre als auch eine Limited Edition-Version samt Soundtrack und Kalender auf den Markt gebracht. Viel Spaß bei eurem Ausflug nach Felghana!

Beschriebene Spielinhalte sowie sämtliche Grafiken, Screenshots, Video- und Sounddateien sind sofern nicht anders angegeben © Nihon Falcom/XSeed
Ys © Nihon Falcom/XSeed

Hersteller: Nihon Falcom/XSeed

Genre: ActionRPG

Spieler: 1

Online: /

Sprache: Engl.

Version: US

Release: 2.11.10 (US)

Für Fans von: Retro-RPGs, Anime-Fantasy, Ys-Reihe

Mehr davon: Ys I & II Chronicles (PSP), Ys VI: The Ark of Napishtim (PSP), Ys Seven (PSP), Legacy of Ys: Books I & II (DS)

Bonus

Anbei noch ein paar Bilder der alten Version von Ys III für PC-98, erschienen 1989.

... und die Version für das Sega MegaDrive/Genesis, erschienen 1991 (tatsächlich auch im Westen!).

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